Follower

Sonntag, 1. September 2019

Ba Be Bi Bo Bu - Wir lernen Chichewa



Ba Be Bi Bo Bu- Wir lernen Chichewa


Muli bwanji? - Wie geht es dir?

Also mir geht’s supi - Ndili bwino!- und ich sende ganz viele Grüße nach Deutschland oder wo auch immer du grade bist, aus Ludzi in Malawi!

Über zwei Wochen ist es jetzt schon her, dass ich Deutschland verlassen und mich aus Gettorf zusammen mit 5 Mitfreiwilligen auf den Weg über Frankfurt, Paris und Nairobi nach Malawi gemacht habe. 39 Stunden war ich von meinem alten zuhause in der Feldstraße zu meinem neuen Zuhause in Ludzi unterwegs. Mit Bahn, Flugzeug und Minibus – eine ganz schöne Strapaze. 
Ich habe mich noch sie so sehr über ein kuscheliges Bett und eine kalte Flasche Wasser gefreut, wobei über eine kalte Flasche Wasser würde ich mich jetzt grade auch sehr sehr freuen, aber dazu später mehr.

Am Flughafen in Lilongwe wurden wir von ganz vielen netten Schwestern, aus Ludzi, Guilme und Madisi und Nambuma – den vier Projektorten in Empfang genommen. Und dann ging es auch, erst mal für uns alle sechs (Lena, Uta, Xenia, Franzi, Erik und mich) zusammen, mit dem Minibus nach Ludzi, wo unser zweiwöchiges Einführungsseminar stattfinden sollte.
Ein erster kleiner Schock für uns „sicherheitsliebende Deutsche“: Es gab keine Anschnallgurte und wir fuhren ja auch noch auf der falschen Straßenseite. Oh Gott oh Gott… aber wie ihr seht, ich habs überlebt und ich kann glücklicherweise sagen, wir sind immer noch zu sechst- bis jetzt.. :D

Bevor wir Ludzi jedoch erreichten, schoben wir noch einige Zwischenstationen ein, denn wenn man mal schon in Lilongwe ist, kann man ja auch direkt einkaufen gehen und wenn da so schöne Wassermelonen und Orangen am Straßenrand stehen, dann kann man nicht einfach dran 
vorbeifahren. ;)
Obwohl ich nach zwei Nächten mit jeweils 3 Stunden Schlaf todmüde war, konnte ich die Fahrt über kein Auge zu tun, viel zu spannend war der Ausblick aus meinem Fenster. Egal wo wir lang fuhren oder wohin ich guckte, überall gab es etwas ganz neues für mich zu entdecken: Frauen, die mühelos große Körbe mit Bananen oder Karotten auf ihren Köpfen balancierten, ganz viele Fahrradfahrer die am Rand der Straße fuhren und jedes mal, wenn wir mal wieder ganz knapp an einem von ihnen vorbeidüsten, wunderte ich mich, dass wir ihn nicht aus-versehen anfuhren oder er das Gleichgewicht verlor.
Oft waren sie mit riesigen Säcken oder auch lebendigen Frachten, wie Hühnern und Schweinen beladen. Später sah ich auch noch einige Fahrer, die ganze Betten hinten auf ihrem Gepäckträger bugsierten. 
Und da soll nochmal jemand sagen, man könne einen Großeinkauf nur mit dem Auto machen..
Endlich in Ludzi, war dann nur noch ganz schnell schlafen angesagt.


Unser Haus in Ludzi auf dem Boarding Gelände
Der nächste Morgen war der Einstieg unseres zweiwöchigen Einführungsseminars.
In Deutschland hatte man uns gesagt, es sei noch nicht ganz klar, ob das Seminar eine oder zwei Wochen dauern würde, das wäre jedes mal anders und genau das merkten wir dann auch schon direkt, denn selbst die Schwestern schienen anfangs nicht wirklich sicher zu sein, wie lange es gehen sollte:D 
Das war aber auch nicht so wichtig. Hauptsache wir waren erst mal alle zusammen in Malawi!

Genaue Zeitangaben schien es hier auch nicht so zu geben, was wir sehr schnell bemerkten, als wir um halb neun immer noch auf die Schwestern warteten, die uns eigentlich schon um acht Uhr abholen wollten.. Als wir uns dann selbst auf den Weg zum Konvent machten, waren die noch seelenruhig beim Frühstück. Auch gut, dann gab es für uns eben noch Reisporridge, sehr lecker!

Auch auf unserem ersten Ausflug nach Mchinji, von Ludzi aus die nächstliegende Stadt, bemerkten wir, wie unterschiedlich unsere Zeitgefühle waren, als es hieß, wir werden kurz“ zur Bank gehen und neue Handy Simkarten kaufen. Nach etwa 11/2 Stunden in der National Bank zwei weiteren Stunden im Airtel Teleshop waren wir zwar alle super fertig, aber glücklich endlich wieder erreichbar zu sein.
Nachdem wir etliche Male viel zu früh zu unseren Programmpunkten erschienen, gewöhnten wir uns ganz schnell an, einfach direkt 15-30 Minuten später loszugehen. 
Meistens klappte das auch ganz gut, nur manchmal kann 9:00 Uhr halt auch halb neun heißen, das wird dann etwas kritisch, wenn man z.b mitten im Wäsche waschen oder duschen ist.. aber das ist dann meist auch nicht so schlimm.
Oft hieß es einfach: „See you after Lunch!“, und auf unsere Nachfrage, wann das denn genau sei, wurde einfch nur gelacht: „Come when you have eaten!“. Dann blieben wir etwas ratlos zurück, denn „After Lunch“ war wirklich sehr dehnbar. Franzi, eine Mitfreiwillige sollte von ihren Projektpartnern am Freitag „After Lunch“ abgeholt werden. Um 17:00 Uhr saß sie immer noch bei uns.. 
Sicher kann man nur sein: „After Lunch“ bedeutet „before dinner“ :D
Pünktlichkeit ist dennoch bei einigen Terminen gefragt. Bei der Arbeit, z.B. in der Schule ist man sogar vor der zeit da, das gleiche gilt auch für die Kirche.

Irgendwann schienen die Schwestern dann doch etwas Verständnis mit unserem genauen Planungswillen zu haben und wir bekamen einen Timetable. Ach da freute sich unser deutsches Planungsherz, aber leider nicht lange… Denn jetzt wussten wir zwar ungefähr, was am Tag so auf uns zu kam, aber die Programmpunkte boten sehr viel Interpretationsfreiraum und auch die Zeitangaben verschoben sich wie gewohnt.

Ein typischer Tag sah so aus: 6:00 Uhr Messe (freiwillig), danach Frühstück, 8:00 Uhr Chichewa Unterricht und 9:00 Malawien Culturre. Anschließend wurde gekocht.
Ja wir haben durchaus um halb 11 mit dem Kochen angefangen, denn eh wir erstmal das Feuer am Kochgrill anbekommen hatten, dauerte es schon ziemlich lange. Und die drei verschiedenen Teile einer Mahlzeit wollten auch geschnippelt und zubereitet werden. In Malawi setzt sich jede Mahlzeit, außer dem Frühstück, aus drei verschiedenen Bestandteilen zusammen, wie wir gelernt haben: Nsima (also Kohlenhydrate, wie Maisbrei (Nsima), Reis oder Kartoffeln), Vegetables (also Gemüse, häufig Tomaten, Karotten, grüne Paprika, Zwiebeln oder Kohl, je grüner desto gesünder!)
und Meat (darunter zählen neben Hühnchen und Fisch auch Bohnen und Eier, sehr praktisch:D)

Jeden Tag wurden wir gefragt: „What will you eat today?“ Nach anfänglicher Planlosigkeit,in diesem Fall, wussten wir nach einigen Tagen schnell, was wir häufig antworten konnten: Mpunga ndi Njemba ndi mbesu. - Reis mit Bohnen und Gemüse. Ich glaube ich spreche für uns alle, wenn ich behaupte, das dass unser neues „Go to“ Essen ist. Besonders die Bohnen haben es uns angetan und mit Fingern ist es sich nochmal besser. Nsima mit Bohnen ist daher auch nicht zu verachten. Hauptsache Bohnen:D und das gute, es zählt ja auch als Meat. Hehe!
Ein ganz großer Favorit, ist aber auch der gute alte Weißkohl, Kabichi. 
Die Schwestern waren glaube ich sehr erstaunt, wie sich sechs Jugendliche so sehr über einen Weißkohl freuen können.
Er ist halt einfach heftig lecker:D Besonders wenn Margret ihn zubereitet, unsere Haushaltshilfe, die uns während der Woche beim putzen hilft und auch mal für uns kocht. Oh sie kocht so toll, auch wenn ihre Tomatensauce nicht ganz so in Öl schwimmen müsste, für meinen Geschmack, aber viel hilft viel ist hier das Motto:D

Reis mit Bohnen und Kabichi 😍
Nsima mit Erbsen und Kabichi😋






Ich habe das Gefühl, dass Essen hier wirklich einen hohen Stellenwert hat, denn du isst, um gesund zu sein und deinem Körper, deinem Leben etwas gutes zu tun. „To protect your body“
Auch die Kleidung dient dazu den Körper zu schützen, wurde uns erzählt. Frauen sollten Schulter und Knie bedecken und keine durchschimmernde Kleidung tragen, um das innere zu schützen. Es ist mein Körper und nur ich habe das Recht ihn in Gänze zu sehen. Aus dieser Perspektive habe ich das noch gar nicht gesehen, für mich schien es eher eine Unterdrückungsmaßnahme. Kleidung und Essen als Schutzmaßnahme für den eigenen Körpers und , ihm etwas gutes zu tun, gefällt mir sehr. Die Frauen und Mädchen, die ich bereits kennengelernt habe, wirkten auf mich auch keinesfalls unterdrückt, sondern sehr stark. Eine der Achtklässlerinnen möchte zum Beispiel Präsidentin werden um einiges hier in Malawi zu ändern.
Trotzdem habe ich mich schon sehr frei gefühlt, als ich beim Baskettballspielen, endlich mal wieder eine Hose in der Öffentlichkeit tragen konnte und nicht im Rock Sport machen musste.
Auch wenn Röcke bei der Wärme durchaus viele Vorteile aufweisen.

So jetzt bin ich etwas abgeschweift, all diese Dinge und noch ganz viel mehr haben wir übrigens im Malawien culture Unterricht bei einer der Schwestern gelernt.
Nachmittags konnten wir dann manchmal Sport treiben, den wir uns selbstständig aussuchen und gestalten konnten. Wir haben oft Yoga gemacht oder auch Baskettball. SportHOSE und gemischte Teams beim Basketttball waren auch erluabt. Wir haben zusammen mit einem jungen Priesteranwärter und dem netten Schul-Libary-Mitarbeiter gespielt, mit denen sich Erik gut verstanden hatte.

Weit aus häufiger stand jedoch „Practical coocking, cleaning und washing“ auf dem Programm, das jeden Tag neue Überraschungen bot. Mal kochten wir zusammen mit den Schwestern und lernten, wie wir den Feuer - Grill zum Kochen anbekamen, (geraspeltes Wachs wirkt wahre Wunder, Plastiktüten leider auch…) wie man den Nsima richtig rührt, (denn nur mit dem speziellen Nsima Stick geht das wirklich richtig ;) und das kein Essen ohne Tomaten und eine ordentliche Portion Öl auskommt. ;)
Ein anderes mal wurde Kuchen gebacken, denn Xenia hatte Geburtstag. Elektrische Handrührgeräte werden definitiv unterschätzt, (dasselbe gilt übrigens für Klospülungen, wie wir beim nicht untypischen Wasserausfall, zu spüren bekamen.).
Meine Armmuskeln sind hundertprozentig schon um das dreifache gewachsen, von dem ganzen Nsima Gerühre, Feuer anfächeln und Eier schaumig schlagen. Ich war ganz schön stolz als ich die Eier mit einem Rührgerät zum Kurbeln für meine Verhältnisse sehr schnell rührte.
Jedenfalls bis der Koch der Klosterküche mir die Arbeit ab nahm und die Eier im zehnfachen Tempo herumwirbelte. Tja da muss ich wohl doch noch etwas üben…
Mit der Hand zu waschen bietet übrigens auch ein sehr gutes Training, wen man z.b. seinen dicken Wollpulli auswringen muss, der auf einmal Tonnenschwer zu sein scheint..
Achja und was ich definitiv mehr wertschätzen sollte, wenn ich wieder in Deutschland bin, ist unser schönes kaltes leckeres Leitungswasser. Langsam habe ich mich zwar schon an warmes abgekochtes Wasser mit Proteinen, in Form von Ameisen, und einer ordentlichen Portion Kalk gewöhnt, aber das ist halt schon nicht so das wahre:D

Gemütlicher Stromausfall😊
Jetzt muss ich aber nochmal ein paar Worte zum Chichewa Unterricht verlieren, damit ihr auch wisst, woher dieser Eintrag seinen Namen bekommen hat.
Für alle die es noch nicht wussten, Chichewa ist hier, neben Englisch, die Landessprache und da besonders alte Menschen und kleinere Kinder kein Englisch können, ist es auch echt wichtig, diese zu lernen!
Unterricht hatten wir jeden Tag bei einem Lehrer der Primary school. Was wir gelernt haben, lässt sich ganz kurz zusammenfassen: Ba, be, bi, bo, bu… Okay Spaß bei Seite, anhand eines Buches für das erste Schuljahr, haben wir einige Vokabeln gelernt, das war auch wirklich sehr hilfreich, aber besonderen Wert hat unser Lehrer auf das Silben bilden gelegt und auf die Aussprache der Vokale. Dabei ist diese, bis auf einige Ausnahmen, quasi identisch zu der deutschen Aussprache.. Wir fühlten uns ein wenig in die erste Klasse zurück versetzt, wenn wir zum zehnten mal „La le li lo lu“ im Chor aufsagten, aber es war auch ganz lustig:D Der Preis für den motiviertesetn Lehrer geht in jedem Fall an ihn und diese Motivation hat unsere leichte Unterforderung gut wettgemacht: „Aus ba- und la- wird Bala! Toll oder?“

Soo, ich könnte jetzt noch so viel mehr erzählen, aber es ist jetzt schon so lang geworden, dass ich euch nicht überfluten möchte:D
Einige wichtige Infos aber trotzdem noch zum Schluss:

Unser Einführungssemniar ist nun zu ende.
Am Freitag haben wir uns von Erik und Franzi veraschiedet, die nach Guilme und Nambuma in die Projekte gehen und Montag wird auch Xenia uns verlassen, sodass wir dann nur noch zu dritt sein werden.
Morgen werde ich auch schon das erste mal in meinem Projekt in der Schule sein und erst mal den Unterricht der Achtklässlerinnen observieren, die hier grade schon Vorbereitungswochen auf ihre im nächsten Jahr anstehenden Examen haben. Am 16. September geht es dann richtig los und ich werde auch alleine eine Klasse unterrichten können. Ich freue mich schon sehr, dass es jetzt endlich richtig losgeht!
Die Achtklässlerinnen, die ich schon kennengelernt habe, sind auch echt super lieb, gestern haben wir abends zusammen mit ihnen gegessen, gespielt und zu „Makarena“ getanzt.
Um acht Uhr wird dann immer gebetet und gesungen und jedes Mädchen umarmt mich, um mir „God Night“ zu wünschen. Richtig süß!
Ich frag mich nur, wie das werden soll, wenn hier dann sieben mal so viele Kinder sind.. Jetzt sind es schon so um die achtzig..
Aber das werdet ihr dann im nächsten Beitrag erfahren:)

Macht es gut und Tionana!

 









Donnerstag, 1. August 2019

Der Countdown läuft

Der Countdown läuft:
In genau zwei Wochen sitze ich im Flieger nach Lilongwe und habe mich für ein Jahr von Deutschland verabschiedet, um ein Jahr in Ludzi in Malawi zu verbringen. Ich kann es immer noch nicht so richtig glauben. Langsam beginnen zwar die ersten Abschiede, der 15. August rückt von Tag zu Tag näher, aber so richtig real erscheint mir das Ganze noch immer nicht.

Am Samstag vor einer Woche fand das Aussendungsfest mit meiner MaZ - Gruppe in Salzkotten von den Franziskanerinnen statt. Es war der Höhepunkt unseres letzten Seminars und Abschluss einer intensiven, wichtigen und wunderbaren Vorbereitungszeit. Bei diesem schönen Fest waren für mich vor allem die Gesprächen mit ehemaligen Freiwilligen besonders wertvoll, weil sie uns noch letzte praktische Tipps für unsere Zeit im Einsatz mitgeben konnten und wir sie mit Fragen löchern durften. Gaaanz viel leckeren Kuchen gab es auch und den ersten schweren Abschied von meiner MaZler Gruppe. Das sind diejenigen, die so wie ich als ,,Missionare auf Zeit” nach Malawi, Indien, Indonesien, Ost Timor oder Rumänien gehen. Über die Vorbereitungszeit hatten wir uns als Gruppe echt sehr liebgewonnen.

Unser Abschied

Meine MaZ-Gruppe bei unserem Aussendungsgottesdienst in Salzkotte

An einem für mich sehr wichtigen Thema aus meinem Abschlussseminar möchte ich euch teilnehmen lassen. Und zwar setzten wir uns intensiv mit dem Sinn und Unsinn von Freiwilligendiensten auseinander.

(Un -)Sinn von Freiwilligendiensten

Kritik 1:
- Ein Freiwilligendienst kostet sehr viele Ressourcen, die sinnvoller eingesetzt werden können.
- Freiwillige haben keine Kompetenzen zum Helfen.
- Sie verbrauchen Entwicklungszusammenarbeitsgelder.
- Das Reden von „Begegnung auf Augenhöhe“ ist Quatsch.

Warum ist es dennoch sinnvoll?

Wir als Freiwillige sind besonders nach dem Einsatzjahr Botschafter, können unsere gewonnenen Eindrücke mit anderen Menschen teilen und andere zum Perspektivenwechsel anregen, da wir ein Jahr lang versuchen werden nicht mit der "deutschen,westlichen Brille" auf die Welt zu schauen, sondern einen kleinen Einblick in die malawische Sichtweise, bzw. die Sichtweise unseres Gastlandes, bekommen. Dadurch können wir von einer anderen Perspektive auf die Welt blicken und somit eine "second story" erzählen.
https://youtu.be/D9Ihs241zeg-> ein ganz tolles Video zu diesem Thema!

Außerdem können wir nach unserer Rückkehr neue Ressourcen in Deutschland anwerben, denn die meisten rückgekehrten Freiwilligen setzen sich auch weiterhin aktiv für ihre Einsatzländer,
die MaZ-Arbeit und andere soziale Projekte und Initiativen der Entwicklungszusammenarbeit ein.

Es stimmt natürlich,
dass wir als Freiwillige keine ausgebildeten Lehrer oder Ärzte sind und somit nur kleinere Aufgaben übernehmen können, die nur bedingt helfen. Auch die Partnerorganisationen vor Ort haben erst einmal viel Arbeit mit uns, da wir ja zunächst eingeführt werden müssen und Vieles anfangs nicht verstehen oder falsch machen werden. Dennoch bringen wir Zeit und Aufmerksamkeit mit, die die Lehrer oder anderes Personal oft nicht genug haben, denn wir sind ja zusätzlich da und nehmen keine Arbeitsplätze weg. Nach einiger Zeit kann das schon eine Entlastung für die Menschen vor Ort sein. Es ist außerdem eine tolle Chance für alle, etwas von der anderen Kultur zu lernen.
Wichtig ist dabei aber, dass wir uns bei der Begegnung bewusst sind, Gäste in diesem Land zu sein, und dankbar, demütig und wertschätzend mit den Menschen umzugehen. Dann ist eine Begegnung auf Augenhöhe auch möglich!
Der Verzicht auf diese wertvollen Begegnungen ist auch keine Lösung der Probleme!


Kritik 2:
Freiwilligendienste bringen eigentlich nur Schaden für die Projekte:
- durch den permanenten Wechsel von Bezugspersonen
- finanzielle Abhängigkeit

Warum ist es dennoch sinnvoll?



Die Abwechslung der Bezugspersonen kann schwierig sein, doch auch hier in Deutschland sind Wechsel von Lehr- oder Erziehungskräften, Babysittern oder Aupairs normal und nicht zu vermeiden. Zudem bleiben die Freiwilligen ein ganzes Schuljahr, wechseln also nicht schon nach wenigen Wochen, sondern in einem geregelten Rhythmus.
Außerdem bringen neue Freiwillige Abwechslung, neue, individuelle Methoden und haben unterschiedliche Qualifikationen und Eigenschaften, die sie einbringen können. Die Kinder lernen dadurch, sich auf neue Personen einzustellen und flexibel zu sein. Das ist auch sinnvoll für das weitere Leben. Wichtig ist nur, keine zu enge Verbindung zu Einzelnen aufzubauen, denn dann kann der Abschied schon sehr hart und schwer werden.

Wird ein Projekt von anderen finanziert, schafft das natürlich immer in gewisser Weise eine finanzielle Abhängigkeit. Ohne die Entwicklungszusammenarbeitsgelder könnte sich die Schule in Ludzi sicherlich nicht halten. Sie ist auf das Geld angewiesen. Aber die Gelder schaffen auch große Sicherheit und Perspektiven für diese Projekte. Bildung ist der wichtigste Schlüssel, um sich aus dem Teufelskreis der Armut zu befreien und unabhängig zu werden. Somit wird das Geld sinnvoll investiert. Trotzdem haben diese Förderungen immer Vor- und Nachteile. Aber gar keine Förderung ist auch nicht die Alternative!



Kritik 3:
Vorherrschende Stereotype werden durch die Freiwilligen doch nur bestätigt. Außerdem geht es den Freiwilligen nur darum, ein Abenteuer zu erleben, ihren Lebenslauf aufzubessern und „sich selbst zu finden“:
- Das Bild der/des Deutschen / der/des Weißen als „Übergeordnete*r“ im Land (er/sie „hilft“ den „armen Kindern in Afrika“) wird verstärkt.



Warum ist es dennoch sinnvoll?



Hier kommt es wirklich ganz besonders darauf an, wie die eigene Motivation aussieht, warum man einen Freiwilligendienst machen möchte, und welche Vorbereitung der/die Freiwillige bekommen hat. Ich würde behaupten, dass viele, die einen Freiwilligendienst in einem Land des globalen Südens1 machen möchten, sich keine bzw. wenig Gedanken darüber machen, was dieser Dienst bedeutet oder was für Auswirkungen er in dem betreffenden Land hat. Mir war das vor ein paar Monaten auch noch nicht ganz klar. Es ging mir zwar nicht um meinen Lebenslauf oder darum, ein Abenteuer zu erleben. Aber auch ich wollte helfen und das nicht hier in Deutschland, wo es genauso Kinder gibt, die Hilfe benötigen. Ich wollte lieber nach Malawi. Mir war klar, ich werde nicht die ganze Welt verändern. Aber ich dachte schon, ich würde richtig nützlich sein und den Menschen dort helfen können.
Ein bisschen stimmt das ja auch, aber eigentlich geht es hauptsächlich um etwas anderes, was ich beim ersten Punkt schon beschrieben habe: Um den Perspektivenwechsel und den gegenseitigen Austausch auf Augenhöhe.

Mit 5 Seminaren und durch tolle Teamer, die alle ehemalige Freiwillige sind, wurde ich wirklich sehr gut auf diesen Dienst vorbereitet. Wir wurden für Rassismuskritik, rassistischen Sprachgebrauch und die postkoloniale Theorie sensibilisiert. Dadurch können wir nun hoffentlich der für uns neuen und anderen Kultur sowie den Menschen dort offener und wertschätzender begegnen und nicht mit einer „weißen Überheblichkeit“, die meint, alles besser zu wissen.

Mein Weltbild und meine Einstellung zu einem Freiwilligendienst haben sich durch die Vorbereitung schon jetzt so sehr verändert, und in dem Jahr werden sich diese auch sicherlich noch weiter wandeln. Man kann also während des Freiwilligendienstes zu „sich selbst finden“, und das ist auch gut so. Den die bisherigen Einstellungen zu überdenken und sich eine eigenständige Meinung zu bilden, ist wichtig, um sich nach dem Jahr für die „Eine Welt“ einzusetzen und andere zum Umdenken und Nachdenken anregen zu können. Das ist nämlich unsere Hauptaufgabe: Andere Perspektiven, Sichtweisen kennenlernen und davon weitererzählen. Deshalb haben wir auch die Aufgabe von „Weltwärts“, 4 Zwischenberichte zu schreiben, damit wir unsere Erfahrungen mit anderen teilen können. Auch zu diesem Thema wurden wir während unserer Vorbereitung für den richtigen Sprachgebrauch und die Folgen unseres Berichtes sensibilisiert. Wir müssen uns fragen: Was für vorgefertigte Stereotypen und Vorurteile haben unsere Leser und wir selbst im Kopf, und wie schaffe ich es, diese mithilfe meiner Berichte, nicht zu bestätigen, sondern auszuräumen und von etwas anderem, neuem zu berichten? Vielleicht, indem ich Einheimische zu Wort kommen lasse und somit ihrer Sicht auf die Dinge ein Sprachrohr verschaffe. Denn das ist unsere Aufgabe: Botschafter sein für unsere „Eine Welt“!


Soo! Ich hoffe, ihr habt nun einen kleinen Einblick in meine Gedanken und meine Vorbereitungen für meinen Freiwilligendienst in Malawi bekommen. Vielleicht konnte ich auch euch ein wenig zum Nachdenken anregen.
Jetzt genieße ich noch die letzten zwei Wochen zuhause, treffe mich die letzten Male mit meinen Freunden und mit meiner Familie, räume mein Zimmer aus, weil meine Mutter in diesem Jahr umzieht, packe meine Sachen für Malawi, besorge noch die letzten Dinge, esse ganz viel Eis, weil ich das in Malawi wahrscheinlich nicht kann. Und ich wache jeden Morgen mit einem Kribbeln im Bauch, aber auch mit einer riesigen Vorfreude auf das vor mir liegende Jahr auf.
Macht es gut und ihr hört von mir aus Malawi!

Tionana!









1 Als Länder des globalen Südens werden die Länder bezeichnet, die im Weltvergleich eine benachteiligte wirtschaftliche, politische und gesellschaftliche Stellung haben. Dieser Begriff löst immer mehr den durch die westlichen Industriestaaten, also die Länder des globalen Nordens, geprägten Begriff „Entwicklungsländer“ ab. Denn die Bezeichnung Entwicklungsland“ wertet den Status eines Landes nur aufgrund seiner Unterentwicklung der Wirtschaft im Vergleich zu den Industrienationen stark ab. 

Samstag, 4. Mai 2019

Takulandirani!


                                           Takulandirani! 




Über mich:

Ich bin Annabelle, 18 Jahre alt und wohne in Schleswig - Holstein an der Ostsee.
In meiner Freizeit liebe ich es zu singen, Theater zu spielen, zu kochen und mich mit meinen Freunden zu treffen. Außerdem leite ich mit viel Leidenschaft und Spaß zusammen mit einer Freundin eine Theater AG an unserer Schule.

Mein Projekt:

Nach meinem Abitur im Juni gehe ich ab August für ein Jahr nach Malawi in Ostafrika.
Malawi ist aufgrund mangelnder Bodenschätze eines der ärmsten Länder der Welt mit einer hohen Aidsrate. Es hat aber eine wundervolle Natur und wird nicht umsonst „the warm Heart of Africa“ genannt.
Dort werde ich als Freiwillige in der „Ludzi Girls Boarding Primary School“  arbeiten und die Lehrer/innen  unterstützen. Nach einiger Zeit werde ich auch selbstständig Stunden unterrichten und nachmittags für die Internatskinder Aktivitäten oder Projekte anbieten.

Wie finanziere ich meinen Freiwilligendienst? 

Mein Freiwilligendienst wird von Weltwärts, einer vom Staat geförderten Trägerorganisation (https://www.weltwaerts.de/de/), zu 75% unterstützt. Die restlichen 25% übernimmt meine Entsendeorganisation, die „Franziskannerinnen Salzkotten“, die ich aber unterstützen muss, indem ich Spenden sammle und sogenannte “Fundraisingaktionen” plane.
Die Franziskanerinnen Salzkotten sind eine Ordensgemeinschaft mit Sitz in Salzkotten, in der Nähe von Paderborn. Sie setzen sich nicht nur in Deutschland inbesondere für Kranke und Kinder ein, sondern betreuen auch Projekte in der ganzen Welt. Hierbei kooperieren sie auch mit Schwestern anderer Orden und aus anderen Ländern.
Über die Franziskanerinnen Salzkotten, bin ich Teil des MaZ- Programms („Missionarin auf Zeit“)
„Missionarin“ bedeutet hierbei aber nicht, den Menschen in Malawi meinen Glauben aufzudrängen oder sie zu “missionieren“. Der überwiegende Teil der Bevölkerung ist ohnehin katholischen Glaubens. Meine Mission ist vielmehr die, meinen Freiwilligendienst nach christlichen Werten wie Nächstenliebe und Gemeinschaft zu gestalten, um die Menschen vor Ort in ihrem Alltag zu unterstützen, kulturellen Austausch zu fördern und mich für die „Eine Welt“ einzusetzen.

Wenn ihr noch mehr über meine Entsenderorganisation und das MaZ-Programm erfahren wollt, empfehle ich euch, die Website der Franziskannerinnen Salzkotten zu besuchen: https://www.fcjm.de/cms/front_content.php?idcat=28&lang=1
Dort könnt ihr euch noch näher über mein Projekt informieren und aktuelle Berichte über unsere Vorbereitungsseminare lesen. 

Ich bin schon unglaublich gespannt und voller Vorfreude auf mein Jahr in Malawi und freue mich, dass ihr mich über diesen Blog dabei begleiten wollt. Danke! 😊

Zurück nach Malawi – Meine Zeit und Gedankenreise  2 Jahre, 8 Monate und 29 Tage. 2 Jahre, 8 Monate und 29 Tage sind vergangen, seit ich Mal...