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Samstag, 4. April 2020

7 Monate – Abgerissen, abgehackt, gestohlen… #fuckcorona


7 Monate – Abgerissen, abgehackt, gestohlen… #fuckcorona

Wie ihr der Überschrift schon entnehmen könnt, wird das hier leider nicht der übliche „Wow krass schon 7 Monate in Malawi und ich bin sooo glücklich hier“ Blogeintrag, denn leider schreibe ich diesen Eintrag nicht in meinem Haus in Ludz,i im Innenhof bei wunderschönem Sonnenschein, sondern auf meinem Bett im kalten Kiel, in Deutschland.
Wie es dazu kam, erfahrt ihr jetzt:

Noch vor 2 Wochen war ich super glücklich in Malawi, ich hatte meinen Zwischenbericht endlich fertig geschrieben (einen Monat zu spät..), plante auch mal wieder einen neuen Blogeintrag, denn es war so viel passiert seit Januar.. Term 2 neigte sich dem Ende zu und ich war stark damit beschäftigt meine Schülerinnen auf die Examination vorzubereiten. Fast jeden Tag trafen wir uns mit den neuen Studentteachern, die für Term 2 und 3 nach Ludzi gekommen waren, um an der Schule ihr praktisches Semester zu machen. Sie wurden schnell zu richtig guten Freunden und beim gemeinsamen kochen, tanzen und singen hatten wir sehr viel Spaß. Aber auch mit unseren alten Freunden und den Boardingmädchen verbrachte wir richtig viel Zeit, sodass wir wirklich jeden Tag super busy waren schon etwas im Freizeit und Sozialkontaktstress.. :D
Wir hatten auch unsere Reise für die Osterferien geplant, eigentlich mit meiner Mutter und meiner Tante zusammen, aber da machte uns Corona schon den ersten Strich durch die Rechnung, denn das Malawische Government verhängte einen Einreisestopp für Reisende aus Deutschland und mehreren anderen europäischen Ländern, da der berühmt berüchtigte Corona Virus sich immer stärker und gefährlicher in diesen Ländern ausbreitete.
Das war zwar erst mal ziemlich blöd, aber wir entschieden uns dann schnell gemeinsam mit einem anderen Freiwilligen zum Liwonde National Park zu fahren und den Mount Mulanje zu besteigen, und freuten uns schon sehr auf diese Reise.

Chorona breitete sich immer weiter aus und wir hörten nur noch Horrornachrichten, wenn wir mit unseren Familien aus Deutschland telefonierten: Schulen wurden geschlossen, Geschäfte mussten schließen und in Italien gab es mehrere Tote...
In Malawi jedoch war von Corona noch nicht wirklich etwas zu spüren und so war dieser Virus für uns ganz weit weg. Auch von unsere Organisation kam die Bestätigung: „Momentan seid ihr in euren Einsatzländern viel sicherer als in Deutschland.“ Ein eventueller Abbruch des Einsatzes deswegen, lag für uns in weiter, nicht vorstellbarer Ferne.

Doch dann am Montag den 16. März 2020 kam die für uns komplett überraschende und alles auf den Kopf stellende Nachricht.
Wir waren grade in der Library zusammen mit unserem besten Freund, der Geburtstag hatte.
Es war eine super schöne und ausgelassene Stimmung. Als ich nur kurz einmal auf mein Handy schaute, sah ich dann die Nachricht meiner Organisation: „Ruf uns bitte mal ganz schnell an!“ Mich beschlich schon direkt ein mulmiges Gefühl, das kurz darauf auch bestätigt wurde. „Es tut mir wirklich leid, ich mach es kurz und schmerzlos: Ihr müsst leider zurück nach Deutschland. Höchste Anordnung vom deutschen Staat. Sie machen die Grenzen dort langsam zu und falls Corona nach Malawi kommt, könnt ihr nicht mehr raus. Alle weltwärts Freiwilligen werden zurückgeholt.“ WUMS!
Da war der Satz, der alle Pläne, alle Vorhaben und Versprechen zunichte machte, der uns fast 5 Monate unseres Jahres einfach so wegnahm.
An diesem Tag weinte ich nur noch und auch die Nacht schliefen Uta und ich nur 2 Stunden, denn wir wussten nicht, wann wir zurück mussten. Es konnte morgen sein, den Tag danach oder erst am Wochenende. Daher beschlossen wir, die Zeit, die uns noch in Ludzi blieb, so gut es ging auszunutzen und nicht mit schlafen zu verschwenden .
In dieser Nacht telefonierten wir fast durchgehend mit unserem besten Freund und buken 2 Kuchen überm Feuer, (denn, kleiner Funfact, seit fast 2 Monaten hatten wir nun schon keinen Strom mehr) für unsere Freunde, die Geburtstag hatten, und versuchten unsere Verzweiflung mit Amarula und unseren letzten Schokoladenvorräten zu verarbeiten:D

Meine Klasse 7a
Am nächsten Tag mussten wir uns dann schon mal an unseren Arbeitsplätzen verabschieden, ich mich also in der Schule von meinen Schülerinnen und einigen Kollegen. Gemeinsam mit meinen beiden Klassen versuchte ich noch ein Gruppenfoto zu machen, was semi optimal klappte, denn wenn 120 Mädchen alle auf ein Foto wollen und am besten auch alle neben mir stehen möchten, wird das ganze etwas schwierig. :D Und dann das ganze zwei mal, ist wirklich sehr nervenaufreibend..
Meine Klasse 7b
Ich unterrichtete ein letztes mal in der 7a und der 7b und verabschiedete mich dann unter Tränen von jedem Mädchen mit einer Umarmung. Auch viele der Mädchen mussten weinen, was die ganze Sache nicht wirklich einfacher für mich machte, und fragten warum ich denn gehen müsse und nicht bei ihnen bleiben könne, sie würden mich einfach irgendwo verstecken..:D… Sie gaben mir kleine Briefe und die Nummern ihrer Eltern, damit ich sie aus Deutschland anrufen könne.

Nachmittags bekamen wir dann die Nachricht, dass wir Samstag fliegen würden und uns somit noch ein paar Tage Zeit zum endgültigen verabschieden blieben. Das gab uns wenigstens noch etwas Zeit ein paar letzte Dinge zu regeln und zu unternehmen.
Mittwoch hatten wir nochmal die Möglichkeit, gemeinsam mit einem Freund nach Lilongwe zu fahren, um Fotos auszudrucken und uns nochmal mit Chitenjen, den bunten langen Stoffen, einzudecken. Auf dem Rückweg besuchten wir noch die Familie unseres Freundes, was wir schon lange geplant hatten und sonst leider nicht mehr dazu gekommen wären.
Jetzt war es zwar ein recht kurzer, aber dafür umso schönerer Besuch und ich bin wirklich sehr glücklich, das wir das noch machen konnten.
Die nächsten Tagen verbrachten wir mit tausenden Besuchen bei verschiedenen Schneidern, um noch die letzten Kleider nähen zulassen, mit den letzten Besuchen von ganz vielen Freunden, ein letztes mal gemeinsam Nsima mit Soyapieces essen, ein letztes mal Stockbrot ein letztes mal Mandazi, ein letztes mal Chipisi.
Wir kauften Nsima Sticks, Berge von Soyapieces und stampften Chiponde-Erdnussbutter- für einige Freunde und die Schwestern, schrieben Karten und bastelten Erinnerungskärtchen für die Mädchen.
In diesen 4 Tagen haben wir vielleicht wenns hoch kommt 10 Stunden geschlafen und waren am Ende einfach nur noch fertig, aber ich habe das Gefühl, dass wir die Zeit, die uns blieb noch richtig ausgenutzt haben, auch, wenn wir leider nicht all unsere Freunde nochmal treffen konnten um uns zu verabschieden.

Die Boardingmädchen
Am letzten Tag frühstückten wir gemeinsam mit unserem besten Freund und nachmittags bereiteten die Mädchen noch eine kleine Abschiedsfeier in der Dyning hall für uns vor. Einige von ihnen perfomten Abschiedssongs für uns und überreichten uns noch kleine Geschenke.



Es war wirklich super süß und schön noch einmal mit allen Mädchen zusammen zu sein.

Abends waren wir dann noch ein letztes mal bei den Schwestern eingeladen und verbrachten einen wirklich sehr schönen Abend mit viel Lachen und Tanzen.
Auch sie waren traurig, dass wir unseren Einsatz jetzt schon viel früher als geplant beenden mussten und luden uns ein immer wieder zu kommen, wenn wir Malawi besuchen.

Um ca. 23:00 Uhr fingen wir dann langsam an unsere Koffer zu packen, eine Sache, die wir die ganzen letzten Tage vor uns hergeschoben hatten, weil wir einfach nicht war haben wollten, das wir wirklich, wirklich gehen müssen. Ziemlich dumm, denn jetzt waren wir eigentlich viel zu übermüdet, um irgendetwas zu machen, aber am Ende haben wir es doch noch irgendwie geschafft, zwar mit ein paar emotionalen und wütenden Zusammenbrüchen, aber es waren sogar noch zwei Stunden Schlaf drin.

Samstag morgen ging es dann nach den letzten Verabschiedungen gemeinsam mit den Schwestern nach Lilongwe zum Flughafen. Dort trafen wir dann auf die anderen Maz- Freiwilligen, die uns direkt mit Mundschutze versorgten.
Und so verließen wir dann einige Stunden später unser geliebtes Malawi - 5 Monate zu früh.


Schon 15 Stunden später betraten wir wieder Deutschen Boden.
Frankfurt am Main Flughafen. Außentemperatur 1C°. Abstand halten, keine Berührungen, Hände waschen, nicht ins Gesicht fassen, Menschenmassen meiden. Corona oder besser gesagt Covid-19 ist Realität. Menschen mit Masken. Weiße Menschen. Keine Begrüßungen. Keine Zeit.






Richtung Kiel mit dem Auto.
Keine Kühe auf der Straße oder Ziegen. Keine Guaven oder Süßkartoffelberge. Keine Maisfelder. Keine grünen Bäume. Keine Menschen auf der Straße oder Fahrräder mit allem möglichen beladen.
Stille.


Zurück in Kiel. Zuhause? Irgendwie nicht. So viele Autos, so riesige Häuser. Wohnen wir eigentlich in einem Schloss? In was für einer Welt habe ich eigentlich mein Leben lang gelebt? Meine Heimat scheint mir auf einmal ganz fremd. Und es ist so kalt. Ich will wieder zurück, habe Heimweh. Heimweh nach eine Ort der die letzten 7 Monate wirklich zu meinem Zuhause, meinem Heim geworden ist. Heimweh, nach so vielen tollen und lieben Menschen, die beim Lachen meine Hand nehmen und rein klatschen, die mich immer fragen, wohin ich gehe und wie es mir geht, die mit mir teilen, die mich immer bei sich aufnehmen, mir Chichewa beibringen und mich nach Hause begleiten. Heimweh nach Wärme, Heimweh nach Essen, das mit der Hand gegessen wird. Heimweh nach einem Lebensgefühl, das frei von Zeitdruck, Panik und Stress und voll von „im Moment leben“ und „sich treiben lassen“ war.


Versteht mich nicht falsch.Es ist nicht alles scheiße in Deutschland und in Malawi super perfekt.
Ich bin froh in Deutschland geboren sein zu dürfen und ich mag meine Heimat. Ich liebe den Strand, die Ostsee, die Wälder, den Schnee, Joghurt, Käse, Schwarzbrot und Schokolade, meine Freunde und meine Familie.
Aber ich liebe auch Malawi und jetzt grade würde ich alles dafür geben, wieder zurück zu dürfen, auch wenn ich weiß, dass ich jetzt grade, so wie die Situation in der Welt grade ist, dort nicht sein kann. Es ist vernünftig hier zu sein. Es würde nichts bringen dort zu sein, denn die Schulen sind jetzt sowieso alle geschlossen..
Aber ich wünsche mir eben mein Malawi vor Corona wieder. Mein Leben in meiner kleinen Blase in der Fantasiewelt, die Uta und ich uns gemeinsam aufgebaut haben, denn unser Realität, war natürlich nicht die, von den meisten Malawiern, die dort ihr Leben lang leben…
Wir hatten nie Geldprobleme, mussten nie Angst haben, nicht genug zu essen zu haben. Wir werden studieren können, ganz einfach, ohne Probleme. Wir hatten das Privileg ein anderes Land, eine andere Kultur kennen lernen zu dürfen. Privilegien, die wir einfach so haben, weil wir in Deutschland geboren sind. Viele der Menschen, die ich in Malawi kennengelernt habe, haben diese Privilegien nicht, müssen um Geld, Studium und manchmal sogar Essen bangen. Für viele war Deutschland in ihrer Vorstellung ein Paradies. Und auch obwohl es Armut und Existenzangst auch in Deutschland gibt, stimmt es einfach, dass ein ganz großer Teil hier eben in großem Luxus lebt und sich dessen manchmal gar nicht so bewusst ist, (so wie mir zuvor auch) weil er die Dinge, die er hat, als selbstverständlich ansieht.
Ich kann wirklich glücklich sein in einem Land aufgewachsen zu sein, das mir so viele Möglichkeiten bietet, um die andere mich beneiden und das weiß ich jetzt auch wirklich zu schätzen.
In Malawi hätte ich diese Möglichkeiten sicherlich nicht.
Und doch liebe ich die Kultur der Menschen dort so sehr, die so viel herzlicher und gemeinschaftlicher ist, als die unsere.
In der Teilen und das Kümmern um die Familie ganz selbstverständlich dazugehört.

Ich habe wirklich sehr viel gelernt in diesen 7 Monaten, von den Menschen, von ihrer Art zu Leben und ihrer Sicht auf die Welt und Gott.
Und dem Klischee „Du wirst deinen Horizont erweitern“ muss ich doch schon zustimmen.
Mein Horizont ist erweitert, aber nicht so, wie es viele vielleicht denken würden. Einige haben mir gesagt, bevor ich nach Malawi ging, „dort wirst du sehen wie richtige Armut aussieht und für dich merken, was wirklich wichtig ist im Leben!“
Das zeigt wieder einmal, dass wir Afrikanische Länder so oft nur unter dem Armutsaspekt sehen. Arme Schwarze Kinder, die alles dafür tun würden, um zur Schule gehen zu können, Menschen die nicht genug zu essen haben, Brunnen die gebaut werden müssen, alle Menschen leben dort in„Lehmhütten“ mit Strohdächern und brauchen ganz dringend Hilfe…
Das ist ja auch ganz natürlich, denn die Informationen, die wir bekommen, sind meist von Hilfsorganisationen, die mit dem Leid der Menschen Werbung machen wollen, damit wir spenden.
Aber Afrika ist erstens nicht gleich Afrika, denn Malawi und Ägypten kannst du genauso wenig vergleichen, wie Italien und Schweden, und zweitens hat Malawi auch noch so viele andere Facetten, als das „arme“ Land in Afrika, auf das wir es oft reduzieren. Ja in Malawi gibt es Armut, da will ich auch gar nicht schön reden. Aber die Armut hat für mich nicht Malawi ausgemacht. Ich glaube, dass viele die Häuser meiner Freunde als „arm“ bezeichnet hätten. Am Anfang, habe ich auch noch teilweise so gedacht, aber mit der Zeit wurde es für mich ganz selbstverständlich und die Menschen, die dort gelebt haben, mit mir Essen und Zeit geteilt haben standen für mich im Vordergrund. Vielleicht hatten sie keinen Stuhl oder Tisch, aber das war auch nicht wichtig, denn ich habe mich wohl bei ihnen gefühlt. Ich war dankbar, dass sie mich bei sich aufnehmen, mir ihre Kultur und ihre Werte näherbringen und ich auch ein Teil dieser Kultur werden durfte.
Ich durfte lernen ganz über dem Feuer zu kochen und zu backen, fast nur noch mit den Händen zu essen, vor jedem Essen zu beten, Essen mit Freunden zu teilen, und noch so vieles mehr.

Ich habe Menschen kennengelernt, die wirklich etwas verändern wollen und sich in mehreren Organisationen und Jugendgruppen ehrenamtlich engagieren um über Familienplanung oder HIV und Aids aufzuklären und die Jugend zu unterstützen.
Menschen, die ein bodenloses Gottvertrauen haben, das unerschütterlich scheint, Kinder, die sich natürlich riesig über Schulfrei freuen und öfters auch mal nicht so Bock haben auf Schule:D, Schwestern, die es lieben zu tanzen und zu feiern und die eigentlich viel lieber Glitzerschuhe tragen würden;). Menschen, die ohne ein Musikinstrument ganze Lieder komponieren,
und Mädchen, die heimlich Liebesgeschichten schreiben.

Ich bin wirklich sehr dankbar, all diese Menschen kennengelernt haben zu dürfen, ich bin dankbar für so viel neues, was ich gelernt habe, für so viel Offenheit, für so viele schöne und unvergessliche Momente. Diese Zeit wird für immer in meinem Herzen bleiben.

Ich danke auch Ihnen und euch, dass Sie/ihr mich auf meinem Weg unterstützt und begleitet habt. Ich hoffe, dass ich auch Ihnen/euch einen kleinen und vielleicht neuen Einblick auf Malawi und mein Leben dort habe geben können und Sie/ihr etwas aus meinen Beiträgen für euch mitnehmen konntet.
Bleibt alle gesund und bis hoffentlich ganz bald im realen Leben:D
Tionana!

Zum Schluss noch ein paar Bilder:














 











Sonntag, 12. Januar 2020

Khristimasi yabwino and a happy new year


Frohe Weihnachten and a Happy new year!

Erstmal etwas verspätet Fröhliche Weihnachten und ein Frohes neues Jahr. Ich hoffe ihr seid alle super ins neue Jahr gerutscht, gesund und voller Tatendrang.
Dieser Blogeintrag wird mal wieder etwas länger, da im Dezember sooo unglaublich viel passiert ist, huui das könnte ich auch in drei Blogeinträge packen.. Aber ich versuche natürlich mich so kurz wie möglich zu fassen;)
Also schnappt euch einen Tee und die letzten Weihnachtskekse und los geht’s:

Im Dezember beginnt ja die Adventszeit, eine Zeit, die in Deutschland mit Adventskalendern, Adventskranz, ganz viel Deko, Weihnachtsmärkten, Punsch und Plätzchen richtig schön zelebriert wird. Hat man ganz viel Glück, fällt sogar mal eine Schneeflocke.
Das diese Zeit in Malawi sicherlich ganz anders wird, habe ich natürlich schon vermutet, denn
Schneeflocken lassen sich hier nun mal gar nicht blicken, sondern höchstens Regentropfen (und davon gar nicht mal so wenige), bei einer Durchschnittstemperatur von 25 statt 5 Grad. So richtiges Weihnachtsfeeling ist deshalb eher nicht so aufgekommen, denn irgendwie gehört die Kälte und gemütliches Einmummeln in Pullis und Decken bei Kerzenschein und einer Tasse Tee doch zu diesem besonderen Feeling dazu. Weihnachtliche Dekoration war auch nur in der Hauptstadt Lilongwe und direkt vor dem 25.12 im Krankenhaus und im Convent der Schwestern zu finden,
daher habe ich oft schlichtweg vergessen, das ja schon bald Weihnachten ist.
Unser Adventskalender😍
Uta und ich haben aber unser bestes gegeben, um trotzdem den Advent ein wenig zu zelebrieren und in adventliche Stimmung zu geraten,so haben wir zum Beispiel vor dem 1. Dezember mit und für die Mädchen Bilder Adventskalender gebastelt haben, sodass am Ende jeder Standard und auch wir einen eigenen hatte.
Sogar einen Adventskranz haben wir uns gebastelt, da hier nun mal keine Tannenzweige weit breit zu finden sind, wurde er mit Blumen und Farnwedeln geschmückt. Leider haben wir am Ende etwas vernachlässigt ihn auch wirklich jeden Sonntag anzumachen, weil dann doch noch so viel los war, aber wir hatten jedenfalls einen… :D
Und was ist das wichtigste im Advent? Richtig das Plätzchen backen durfte natürlich nicht fehlen und zwar
Unser selbstgemachter Adventskranz💛
zusammen mit den Boardingmädchen. Also wurde die Dyning Hall, also der Essenssaal, kurzfristig in eine große Backstube umfunktioniert und beim Klang von Jingle bells wurde dann kräftig ausgerollt, ausgestochen und verziert, der Backprozess fand dann in unserem Ofen statt, da es sonst keinen auf dem Boardinggelände gibt.
Beim Keksebacken in der Dyning Hall
Obwohl wir die Anzahl schon auf 50 Mädchen reduziert und sie auf mehrere Gruppen aufgeteilt hatten, war es trotzdem eine Aktion von 6 Stunden oder mehr mit sehr viel Nervenaufwand, ( Ich steche den Stern natürlich nicht am Rand, sondern direkt in der Mitte des Teiges aus... oder Sätze wie „Madam can I see the biscuits?“ „Madam can you change the song?“ How many biscuits will we get madam?“) aber auch sehr lohnenswert, denn am Ende hat es uns und auch den Mädchen sehr viel Spaß gemacht und die Plätzchen waren so lecker, dass uns der Koch des Boardings direkt welche abkaufen wollte:D

Eine auch recht anstrengende, aber auch sehr aufregende Angelegenheit, waren die Examen der Mädchen, die am Ende jedes Terms (in Malawi ist das Schuljahr in drei Teile, sogenannte „Terms“, eingeteilt) in jedem Fach geschrieben werden. Also auch im Dezember und auch in meinen beiden Fächern, Life Skills und Expressive Arts. Somit bestanden die letzten zwei Wochen zwar nicht aus Unterrichten, aber dafür aus Examen beaufsichtigen, Examen tackern ( das kann bei so 1000 Examen pro Fach echt ziemlich anstrengend sein…) und natürlich Examen korrigieren.
Das war natürlich recht stressig, aber ich fand es auch super spannend noch genaueren Einblick in das malawische Schulsystem und die Benotung zu bekommen, die sich doch sehr von dem unterscheidet, was ich aus Deutschland kenne. So gibt es zum Beispiel keine mündlichen Noten, sondern einzig und alleine zählt die Gesamtnote der Examen.. Da die Examen aber alle, mit Ausnahme von Chichewa auf Englisch sind, fallen leider meistens viele durch, besonders die Dorfmädchen, die oft weniger gut Englisch verstehen. Auch in meiner Klasse, gab es einige, die nicht so viel Glück hatten, der Großteil hat es aber geschafft und konnte glücklich in die Weihnachtsferien verabschiedet werden.
Der Abschied der Mädchen vom Internat viel mir auf der einen Seite wirklich schwer, weil ich sie doch alle sehr sehr lieb gewonnen hatte, aber auf der anderen Seite war ich auch froh endlich mal wieder durch und ausschlafen zu können, da ich sonst immer mit den Mädchen gemeinsam um halb vier aufwache, wenn sie anfangen ihre Dorms oder sich selbst sauber zu machen..

Ganz so geklappt hat das mit dem Ausschlafen dann aber doch nicht, weil irgendwie noch sehr viele Dinge anstanden.
So waren wir zur Weinachtfeier des Krankenhauskollegiums eingeladen oder mussten beim Mandazibacken und Dekorieren für das „Meeting“ des Lehrerkollegiums helfen, dass sich dann doch als eine Art Weihnachtsfeier entpuppte, (von der wir spontan zwei Stunden vorher erfuhren..:D)
Zwei Stunden nach der angegebenen Zeit waren wir fertig mit den Vorbereitungen, recht zufrieden mit den Ergebnissen unser Back - und Deko Aktion, und das „Meeting“ á la Weihnachtsfeier konnte beginnnen.
Die Dyning Hall, von uns geschmückt für die Weihnachtsfeier

Nach einer kurzen Begrüßung durch die verantwortliche Schwester der Schule, wurden gemeinsam Berge von Reis mit Chicken und Gemüse, sowie unsere Mandazi mit Softdrinks, verspeist und nachdem jeder Lehrer ein kleines Geschenk übergeben bekommen hatte, wurde noch ausgelassen getanzt und gelacht. Uta und ich wurden vorzugsweise gefilmt weil wir einige der wenigen waren die durchgehend und auch nicht nur am Rand stehend tanzten und somit wohl eine große Attraktion boten. Zugegebenermaßen lag es wahrscheinlich auch an unseres Hautfarbe, die schon des öfteren der Grund war, weshalb wir beliebten Fotomodels wurden und unbedingt ein Selfie mit uns gemacht werden wollte…
Die Feier des Krankenhauses lief ähnlich ab und obwohl es, bis auf einen Mini-Plastik Weihnachtsbaum zu Dekoration nicht wirklich etwas von einer typischen Weihnachtsfeier hatte, wie ich es aus Deutschland gewohnt bin, so haben beide Feiern doch eine richtig schöne Erfahrung und haben mich meinen Kollegen auch nochmal ein Stück näher gebracht.
So sind Uta und ich zum Beispiel aus der Laune eines betrunkenen (oder auch nicht betrunkenen man weiß es nie so genau, ob sie vielleicht auch einfach so komisch sind…:D) Kollegen heraus zu Namensgebern für sein zweites Kind geworden, das in den nächsten Tagen geboren wird, und dann einen von uns ausgewählten Namen tragen wird. Eine total schöne Ehre finde ich, wir haben uns jedenfalls sehr gefreut und sind auch schon ganz gespannt aufs Baby – Angucken!

Ein weitere Punkt der uns zum frühen Aufstehen, trotz Ferien, gefordert hat, ist unser neues Farmer Dasein. Auf unsere Nachfrage hin, haben uns die Schwestern ein kleines Stück Land ausgeliehen, auf dem wir nun Mais, Soja und Erdnüsse angepflanzt haben. Da wir etwas spät dran waren mit dem Pflanzen, die meisten haben hier schon Ende November begonnen, musste es jetzt schnell gehen und somit ging es jeden Tag aufs Feld, denn wir wollten ALLES alleine machen. Das hieß aber erst einmal mal den ganzen Acker umzugraben, der eher einer Wiese als einem Feld glich, was dann doch mehr Arbeit war, als wir erwartet hatten. Meine Hände sind noch immer von Blasen überseht..
Da ich bekanntermaßen noch nie wirklich etwas angebaut habe, geschweige denn ein Feld umgegraben habe und das bei Uta auch der Fall war, hatten wir natürlich keinen blassen Schimmer, wie wir am besten anfangen sollten. So standen wir zunächst etwas ratlos mit unseren Schaufeln und einer Schubkarre bewaffnet vor unserem Land. Aber Gott sei Dank nicht lange, denn in Malawi ist so gut wie jeder Farmer, schon die kleinsten Kinder wissen, wie man die Reihen für den Anbau formt und eine Wiese in ein Feld verwandelt, sogar in der Schule gibt es zu diesem Zweck ein eigenes Fach - Agriculture- und jeder, ob Lehrer oder Krankenpfleger, hat sein eigenes Feld, auf dem meist Mais angebaut wird, um später daraus das Maismehl (Ufa) herstellen zu können, das die Grundzutat für das Hauptnahrungsmittel, den Nsima, ist.
Vorher..

Somit hatten wir als einzige Azungus (Weiße) weit und breit, die auf dem Feld arbeiten, ganz schnell, ganz viele neugierige Zuschauer, die uns mit einem kurzen Kopfschütteln die Hacke aus der Hand nahmen und uns die richtige Technik zeigten. Und von mal zu mal wurden wir dann auch besser und schneller im Reihen anlegen. Aus einem anfänglichen „I think you can do better“ meines Kollegen, der wie so einige andere rein „zufällig“ vorbeikam um uns beim Pflanzen zu beobachten wurde am Ende ein „Oh now you know how to plant“, was uns sehr stolz machte:D Denn so richtig hatte uns wohl anfangs niemand glauben wollen, dass wir auch wirklich stark genug sind, für die Feldarbeit… Jetzt zeige ich jedem der das anzweifelt zufrieden meine Blasenhand und schon ist derjenige beeindruckt:D
..und nachher😊

Ich freue mich schon sehr darauf in ein paar Monaten endlich ernten zu können, vorher müssen wir aber erst mal jede Woche schön Unkraut zupfen, damit unsere Pflänzchen auch gut wachsen.
Ach ja das Leben als „Farmer“ ist schon anstrengend, jetzt habe ich auch noch mal mehr Respekt vor denen die 10-20 mal so große Felder wie wir jeden Tag beackern und das meist aus eigener Kraft, ohne Maschinen.. Aber es ist auch einfach toll zu sehen, wie aus den Samen, die wir in die Erde gegeben haben immer größere Pflänzchen entstehen. Das ist einfach ein tolles Gefühl!

Im April können wir dann aus unserem eigenen Mais unser eigenes Ufa herstellen. Wie das funktioniert, hat uns schon die liebe Mrs. Somanche (ihr wisst, unsere Ersatzmami:D) gezeigt und gemeinsam mit ihr haben wir bestimmt 15 kg Mais in Ufa und Phala Mehl verwandelt. (Phala Mehl wird aus Sojabohnen und Mais hergestellt und für den African Cake oder den Frühstückbrei, Phala, verwendet. ) Somit haben wir jetzt erst mal einige Wochen oder Monate vorgesorgt:D

So nun kommen wir aber zur spannendsten Frage dieses Blogs: Wie haben wir denn Weihnachten gefeiert?
Also am 24. Dezember waren wir morgens noch auf dem Feld, denn am 26. wollten wir in den Urlaub und bis dahin musste alles fertig gepflanzt sein.
Nach getaner Arbeit stand noch das Keksebacken für die Schwestern an, denn bei denen waren wir am 25. Dezember abends eingeladen.
Für den Abend des 24. Dezembers, hatten wir geplant in die Messe zu gehen und etwas leckeres zu Kochen, da alles aber irgendwie doch länger dauerte mussten wir den Nachtisch (Bratapfel!!!!) leider verschieben und ganz schnell nach dem Essen in die Kirche hetzen, nur um zu bemerken, dass wir leider viel zu spät waren..
Denn statt um halb acht, wie uns gesagt worden war, hatte die Messe schon um sieben angefangen, somit kamen wir, ohnehin schon später als halb acht, grade pünktlich zur Predigt. Die Kirche war so überfüllt, das wir uns erst mal nach draußen setzten.
Als wir grade überlegten, ob wir nicht doch lieber unauffällig verschwinden sollten, kamen jedoch schon zwei Mädchen an, die anscheinend der Meinung waren, das draußen auf dem Boden kein geeigneter Platz für uns war und uns in die Kirche dirigierten.
Obwohl es recht normal ist, das Menschen in Malawi zu spät zur Messe kommen, sorgte unser Auftritt dann doch für sehr viel Aufsehen, denn selbst für malawische Verhältnisse waren wir recht spät dran.. Und dann fallen wir natürlich aufgrund unser Hautfarbe nochmal besonders auf, von daher hatten wir kurzfristig die Aufmerksamkeit der gesamten Gemeinde + des Priesters, der kurz seine Predigt unterbrach um uns anzustarren.. Peinlich peinlich… Jedoch hatten wir dann einen super Platz und nach der Messe hat uns, zu unserer Erleichterung, auch niemand auf unseren kleinen Patzer angesprochen..
Und die Messe hat sich auch sehr gelohnt, denn es wurde ganz viel getanzt, gesungen und gefeiert, begleitet, von den blinkenden Lichtern der Krippe und einem der Chöre, der zur Feier des Tages sogar ein Keyboard mitgebracht hatte. Geschmückt war die Kirche mit bunten Luftballons und Girlanden, es sah einfach toll und auch ein wenig abgefreackt aus:D
Am 25. morgens, besuchten wir dann nochmal eine komplette Messe, die auch sehr schön und feierlich war und waren dann abends bei den Schwestern zum Essen eingeladen. Es gab ganz viel Hühnchen in jeglicher Variation, (gebraten, gekocht, frittiert, gewürzt..), Reis, Nsima, Gemüse, Salat, Samosas und das beste: Eiscreme und richtige Weihnachtsplätzchen zum Nachtisch.

Ach ja und den Alkohol nicht zu vergessen, selbst unser geliebter Amarula, ein Likör, der ähnlich wie Baileys schmeckt sowie das lokale Maisbier, diverse Weinsorten sowie der gute alte Kümmeling konnten getestet werden, ganz nach dem Motto „Heute wird getrunken und getanzt“ (Zitat einer Schwester:D)
 Und so wurde es auch gemacht, nach dem Essen und Trinken wurde die Musikbox angemacht und ganz viel getanzt. Gut das wir dank der Mädchen schon viele Tanzmoves draufhatten, so konnten wir sie nun auch beim gemeinsamen Tanzen mit den äußerst talentierten Schwestern anwenden:D

Nach einem langen und fröhlichen Abend ging es dann am nächsten Tag los auf unsere erste Reise, erst mal Richtung Lilongwe, um dann zur Mua Mission weiter zu fahren. An diesem Ort haben europäische Missionare im letzten Jahrhundert eine Missionsstation aufgebaut und heute kann man dort drei tolle Ausstellungsräume bewundern, die ganz viel über die malawische Kultur, vor, während und nach der Kolonialisierung berichten und die Ursprünge und Geschichten der drei Hauptstämme Malawis, der Chewa, Ngoni und Yaoh erzählen. (Falls ihr nochmal genaueres über die Kultur und Geschichte Malawis erfahren wollt, kann ich auch mal einen eigenen Blogeintrag darüber schreiben:))
Dank unseres tollen Führers, den wir zufällig getroffen hatten, haben wir so ganz viel neues erfahren und so einige Unklarheiten und Fragen zu kulturellen Praktiken beseitigen können. Die Umgebung der Mua Mission ist auch traumhaft. Falls ihr irgendwann Malawi besuchen solltet, ist dieser Ort deshalb unbedingt empfehlenswert!
In der Mua Mission


Nach einer Nacht, die wir dort verbracht haben ging es dann weiter nach Dedza, in südliche Richtung in die Berge.
Ausblick von den Dedza Mountains

Dort konnten wir ein wenig wandern, den einen oder anderen Berg besteigen und die tolle Aussicht genießen. Dedza selbst macht vor allem der riesige Markt aus, auf dem es alles erdenkliche an Gemüse, Obst und Alltagsartikeln zu kaufen gibt. Dort deckten wir uns erst mal mit ganz vielen Mangos ein und entdeckten sogar kleine Pfirsiche, die natürlich direkt getestet werden mussten.:) (Fazit: Sehr lecker:D)
Drei Tage später machten wir uns dann auf den Weg nach Capemaclear, zum Lake Malawi.
Dort wollten wir Silvester verbringen und noch ein wenig Strandfeeling genießen.
Zufälligerweise trafen wir in unserem Camp auch noch vier weitere Deutsche Freiwillige einer anderen Organisation und auch Paula und Franzi hatten kurzfristig beschlossen auch an den Lake zu fahren. Somit waren wir in guter Gesellschaft und verbrachten die Tage bis Silvester mit schwimmen, quatschen, schnorcheln und Kayak fahren.
Am Silvester Abend waren wir dann alle gemeinsam Essen und später noch bei einer Party in einem der Camps, wo es um 0:00 Uhr sogar Feuerwerk am Strand gab.
Lake Malawi

Zusammen mit den anderen Freiwilligen und einer malawischen Gruppe aus Blantyre hatten wir echt viel Spaß,. Doch am Lake lernte ich auch nochmal ein ganz anderes Malawi kennen, als das was ich aus Ludzi gewohnt bin. Für mich war es etwas komisch, so viele Weiße Menschen auf einem Haufen zu sehen und wieder in kurzer Hose und vergleichbar kurzem Kleid herumzulaufen, feiern zu gehen und wie selbstverständlich auf Englisch angesprochen zu werden.
Die Malawier die wir hier beim Feiern kennengelernt haben, kamen eher aus den größeren Städten und waren oft aus der Oberschicht, und dadurch teilweise auch viel westlicher geprägt, sodass die Frauen auch in Hosen und knapper Kleidung herumliefen. Irgendwie hat mich die ganze Atmosphäre dort ein wenig befremdet, obwohl diese Art von Menschen und dieser Lifestyle eben genauso zu Malawi gehören, wie die Menschen, die ich in Ludzi kennengelernt habe. Auf der anderen Seite war es wiederum spannend, auch diese Welt einmal gesehen zu haben, aber ich war dann doch echt froh, wieder nach Hause nach Ludzi zu kommen, wo gefühlt alle meinen Namen kennen und uns schon schrecklich vermisst haben:D
Trotzdem haben wir auf unserer Reise sehr nette Bekanntschaften gemacht, denn grade wenn wir ein wenig auf Chichewa mit den Menschen gesprochen haben, waren sie direkt schon offener und herzlicher uns gegenüber. So wurden wir von ein paar jungen Frauen zum Nsima Essen eingeladen oder haben ,nachdem wir bei einer Familie Mangos gekauft hatten, noch ein wenig gemeinsam Gitarre gespielt und geredet. Sprache verbindet und öffnet dir nochmal ganz neue Türen zu den Menschen, das merke ich einfach immer wieder. Deshalb bin ich jetzt noch motivierter mein Chichewa zu verbessern und zu erweitern. Es macht einfach Spaß mit den Leuten richtig reden zu können und auch die Themen, über die man spricht werden noch persönlicher und schöner.
Beim Bawo spielen am Lake Malawi


Auch bei meiner Arbeit in der Schule ist es besser, wenn ich ein wenig Chichewa mit-einfließen lassen kann, da viele starke Schwierigkeiten in Englisch haben. Mein Traum wäre es irgendwann sogar Einheiten auch auf Chichewa erklären zu können, damit jeder die Chance hat, sie zu verstehen, aber das bleibt wahrscheinlich nur ein Traum.. Mal sehen, ich versuche jedenfalls mein bestes:D

Seit Montag läuft die Schule jetzt wieder und die Mädchen sind aus den Ferien zurück. Es ist echt schön, wieder ein volles Boardinggelände zu haben, ich habe sie doch schon sehr vermisst.. und in der Schule steht auch wieder schön viel an, wie zum Beispiel mehrere Kunstprojekte, wie ein Banjo bauen, eine Sporthose nähen oder einen Wandschmuck knüpfen.Die Ergebnisse gibt es dann im nächsten Bogeintrag zu bestaunen;)
Außerdem unterrichte ich jetzt noch zusätzlich die 7 b in Life skills und Expressive Arts , womit ich nun vier statt zwei Stunden pro Tag aktiv zu gestalten habe, was mich definitiv mehr auslastet und sehr freut!
Mir geht’s immer noch super truper gut hier und ich bin einfach nur glücklich!
Deshalb nehmt es mir nicht übel, wenn die Blogeinträge immer etwas auf sich warten lassen… Die Zeit fliegt einfach so und es passiert so viel, dass ich nicht so oft zum Schreiben komme, aber ich gebe mein bestes:)
Lasst es euch gut gehen ( und esst ein Käsebrot für mich mit:D)
Bis zum nächsten mal,
Tionana!

Ein Meer aus Mangos in Dedza😍

Ein wundervoller Mangobaum💛



Eine der fancy Krippen im Krankenhaus:D



Donnerstag, 28. November 2019

Von deutschem Brot der Regenzeit und den Geheimnissen der malawischen Küche..


Jetzt ist es schon wieder Ende November und etwas verspätet kommt nun endlich ein neuer Blogeintrag. Jetzt sind es sogar mehr als drei Monate, die ich hier in Malawi bin und Weihnachten auch nicht mehr weit.. Diesen Sonntag ist schon der erste Advent… Das ging alles definitiv viel zu schnell für mich, ich bin noch gar nicht bereit für die Adventszeit, sondern im totalen Somerfeeling.

Jeden Tag schwitze ich vor mich hin und könnte eigentlich dauerhaft unter der Dusche stehen. Kurze Abkühlungen bieten da nur die Regenschauer, die seit ein paar Tagen fast täglich zum Tagesplan dazugehören.
Pünktlich Anfang Oktober hatte es den ersten riesigen Regenschauer gegeben, der die ganze Nacht und den darauffolgenden Tag anhielt und ganz Ludzi kurzfristig in einen großen See verwandelte. Danach war dann aber erst mal wieder Schluss mit Regen und nun, Ende November ,befinden wir uns richtig mitten in der Regenzeit.
Anfangs war sie für mich ein großes Mysterium denn jeder den ich fragte, erzählte mir irgendetwas anderes. Die einen meinten, es würde täglich regnen, aber nur kurz, andere aber sagten, es würde nur ein bis zweimal die Woche regnen, dafür dann aber den ganzen Tag durchgehend.
Dementsprechend gespannt war ich, selbst zu erfahren, wie so eine Regenzeit denn nun wirklich aussieht.
Zugegebenermaßen haben wohl beide Seiten Recht, denn ich habe schon Tage erlebt, an denen es durch geregnet hat, aber momentan regnet es zwar jeden Tag, aber immer nur kurz. Mal gucken, wie sich das noch so entwickelt. Anscheinend lässt sich eine richtige Prognose sowieso nicht aufstellen, denn das Wetter macht nun mal was es will und jede neue Regenzeit ist ein neues Mysterium.
Was übrigens schon sehr toll an ihr ist, sind die Mangos, die so günstig zu haben sind, dass wir fast jeden Tag 4-5 verspeisen.. 

Aber genug vom Wetter, denn seit meinem letzten Blogeintrag ist ganz schön viel passiert.. Ich bin selbst immer wieder erstaunt, wie viel ich doch in nur einem Monat erlebt habe..aber beginnen wir hübsch der Reihe nach.

Kuchentanz am dritten Oktober :D
Am 3. Oktober ist, wie ihr alle wisst, Tag der deutschen Einheit. Diesen besonderen Tag nutzt die deutsche Botschaft in Malawi jedes Jahr wieder dazu, alle deutschen Freiwilligen zu einem tollen Abendessen nach Lilongwe ins Botschafterhaus einzuladen. Von diesem Ereignis wurde uns schon in Deutschland in höchsten Tönen berichtet, was für leckeres Essen es geben sollte (vor allem auf gutes deutsches Brot hatten wir uns sehr gefreut) und wie viele neue Menschen wir kennenlernen würden… Dementsprechend hoch war unserer Vorfreude auf diesen Tag.
Doch leider sollten wir diese Möglichkeit nicht bekommen, denn aufgrund der angespannten politischen Lage momentan und landesweiten Demonstrationen, die speziell in dieser Oktober Woche in Lilongwe angesetzt wurden, war es zu gefährlich zum Botschafteressen zu reisen. (Die Demonstrationen richten sich übrigens gegen den Präsidenten und die Korruption, die sich durch das ganze politische System zieht und ein großes Problem im ganzen Land ist. Bei den Präsidentschaftswahlen im Mai, soll es bedingt durch die Korruption zu Fälschungen der Wahlergebnisse gekommen sein, daher fordern die Demonstranten den Rücktritt des Präsidenten. Dieser besteht jedoch darauf, rechtmäßig gewählt und an der Macht zu sein. Dadurch verändert sich momentan nicht wirklich etwas. Zwar ist es grade relativ sicher zu reisen, da sich die Lage beruhigt hat, spontane Demonstrationen können aber immer noch auftreten.)
Natürlich war da bei uns allen die Enttäuschung groß, doch hielt sie bei meiner Mitfreiwilligen Uta und mir nicht lange an, da wir schnell einen neuen Plan hatten. Denn feiern wollten wir unseren Tag der deutschen Einheit doch noch irgendwie und zwar mit deutschem Essen! Zu zweit ist das Feiern aber natürlich nur halb so schön, deshalb luden wir die Schwestern zu einem Deutsch-Malawi – Feier Festmahl ein. Und dann wurde auch am dritten Oktober in der Klosterküche gekocht, was das Zeug hält: Süßkartoffelsuppe, Gemüsequiche, Knoblauchzupfbrot und Apfelkuchen – und das für zwölf Schwestern +uns - wollten kreiert werden, während der Koch der Schwestern die malawischen Speisen zu bereitete.
Völlig fertig, aber auch sehr stolz konnten wir dann nach mehreren Stunden harter Arbeit und natürlich viel später als geplant unser Essen präsentieren und gemeinsam mit den Schwestern verspeisen. Vorher wurden wir noch dazu aufgefordert zur Feier des Tages die deutsche Nationalhymne zu singen - ein richtig bewegender Gänsehautmoment für mich - und dann wurde reingeschlagen.
Die Schwestern waren ohne Ausnahme richtig begeistert von unserem Essen und unseren Back- und Kochkünsten, (was wohl auch der Grund war, warum wir dann wenige Wochen später einen riesigen Cooker (Herd und Backofen in einem) bekamen:D, aber das nur am Rande) und wir kamen doch noch in den Genuss unseres deutschen Brotes:)
Achja und falls ihr dachtet, Schwestern wären eher langweilig und könnten nicht richtig feiern, dann liegt ihr sehr falsch. Denn malawische Schwestern jedenfalls feiern super gerne und das auch mit lauter Musik, ganz viel Tanz und auch gerne mal einem Schlückchen Wein.. (Leider war der dieses mal schon alle, dann musste eben Saft reichen:D) Der Kuchen wird am Ende immer ganz besonders gefeiert und zelebriert. Zunächst tragen ihn einige Schwestern tanzend und singend hinein und dann wird er den Gästen bzw. dieses mal uns als Bäckerinnen, tanzend übergeben. Hat man den Kuchen, muss man selbst auch nochmal zusammen mit diesem Tanzen und sich dann das in ein Tuch eingewickelte Messer „ertanzen“, denn so einfach wird einem die Übergabe nicht gemacht:D
Wäre das dann geschafft, wird dann gemeinsam der Kuchen angeschnitten und an die Gäste verteilt. Eine richtig schöne Zeremonie oder? Deshalb haben wir die selbst auch schon übernommen, wenn wir für unsere Freunde Kuchen, in unserem neuen Cooker gebacken haben. So hatten wir doch noch einen richtig tollen Abend, den ich so schnell nicht vergessen werde.
Stockbrotabend in Guilleme💥

Im Oktober kam außerdem Paula endlich nach Malawi, die noch warten musste, bis sie 18 wird, damit sie ausreisen konnte. Paula ist zusammen mit Franzi in Guilleme, auch in einem Schul- und Boarding-projekt, das nicht weit entfernt von Ludzi liegt. Da unsere Schwestern dem gleichen Orden angehören und viel miteinander machen, ist es auch für uns leichter viel gemeinsam zu unternehmen und so haben wir vier uns schon oft gegenseitig besucht und bei Stockbrot und Guacamole unterm Sternenhimmel gelegen und unser Leben genossen.
Mit den Schwestern zum Großeinkauf fahren, sieht dann so aus..
Wir unter Bergen von Maissnacks..

Doch nicht nur mit anderen Freiwilligen haben wir viel unternommen, sondern noch mehr sogar mit unseren neuen einheimischen Freunden.
So hat sich Mrs. Somanche, Arbeitskollegin von Uta, und unsere neue beste Freundin oder auch Ersatzmami, (Keine Sorge Mami, dich kann man nicht richtig ersetzen, hihi hab dich lieb:D) zur Aufgabe gemacht uns zu richtigen malawischen Housewifes zu machen. Von ihr werden wir in die Geheimnisse der malawischen Küche eingeweiht, lernen wie man Tobwa (eine Art Maisbier, sehr beliebt, aber ich bin nicht soo der Fan), Phala (ein Maisporridge) oder Gemüse mit Erdnussmehlsauce (klingt komisch, ist aber richtig lecker) kocht und wie wir Wasser fast ohne Schmerzen auf unserem Kopf transportieren können. Im Gegenzug haben wir ihr gezeigt, wie man Waffeln backt oder bringen ihr Kuchen oder Utas Gitarre mit, mit der wir dann gemeinsam mit der ganzen Familie singen.
Beim Tobwakochen mit Mrs. Somanche
Wie fast alle Malawier baut Mrs. Somanche zusammen mit ihrem Mann und ihren drei Kindern, zusätzlich zu ihrer Arbeit im Krankenhaus auch noch Mais und noch so einiges andere leckere, wie Kartoffeln oder Bohnen, an, die wir auch schon testen durften. Denn nach einem Besuch werden unsere Taschen jedes mal ganz voll gefüllt mit Erdnüssen, Bohnen, Tobwa oder sonstigem Essen. Achjaa schon fast wie bei meinen lieben Großeltern. (Grüße gehen an euch raus und ich vermisse
 schon jetzt eure tollen Weihnachtsplätzchen…)
Der "Feuerofen
mit African Cake😋
Uta und ich sind definitiv im „Mrs. Somanche Fanclub“ und fühlen uns bei ihr zuhause pudelwohl. Sie ist einfach ein so lieber und großzügiger Mensch… Aber nun genug der Lobeshymnen, es gibt auch noch andere tolle Menschen hier, von denen wir ganz viel lernen.
So hat eine Kollegin von mir uns gezeigt, wie man African Cake macht, einen Banenkuchen mit Maismehl, der echt super lecker schmeckt und sogar vegan ist, by the way:D
Und falls ihr euch schon mal gefragt habt, wie man Kuchen backt, wenn man keinen Ofen hat, dann erfahrt ihr jetzt die beste Methode: Man nehme einen kleinen Grill tue dort die Kuchenform mitsamt dem Kuchenteig drauf und auf die Kuchenform kommt dann wieder eine feuerfeste Metallplatte, auf die ihr ebenfalls glühende Kohle gebt. Voila ihr habt euren eigenen Ofen mit Ober und Unterhitze gebaut. Meiner Meinung nach schmeckt Kuchen, der so gebacken wird, sogar noch besser.
Wir haben ihr dann wiederum Stockbrot gezeigt und haben es an einem schönen Abend gemeinsam überm Feuer gebacken.
Ich genieße diese Stunden mit gemeinsamen Freunden sehr und bin dankbar, dadurch einen kleinen Einblick in ihren Alltag zu erhaschen.
Jedoch bin ich auch immer etwas überfordert, wenn mir Freunde erzählen, dass sie morgens nichts gegessen haben, weil sie kein Geld haben und ich höre, dass im ganzen Land so langsam eine Hungerkrise ausbricht, da die Ernte letztes Jahr so schlecht ausgefallen ist … Oder wenn ich sehe, dass ein Freund, trotz Secondary Abschluss nicht aufs College kann, weil er nicht genug Geld hat und von dem wenigen, was er hat, auch noch seine sieben Geschwister finanziell unterstützen muss… Zudem sind die Menschen, die das Auswahlverfahren durchführen auch noch meist korrupt.. Diese Geschichten lassen mich oft sprachlos zurück und ich lerne doch sehr unser Bildungssystem in Deutschland zu schätzen, das durch BAFÖG, eigentlich jedem Abiturienten ein Studium ermöglicht.. Jedoch merke ich auch, dass viele hier durch ganz viel Eigeniniative versuchen aktiv etwas gegen die Probleme und Armut zu tun. So erledigen hier schon junge Schülerinnen kleiner Arbeiten für die Schwestern, um sich das Geld für die Examen zu verdienen und ein guter Freund von mir organisiert mit anderen Jungen Leuten zusammen Aufklärungspräsentationen über gefährliche Krankheiten in den Primary Schools und ist Teil einer Youth Group, die in den Dörfern über Familienplanung und HIV Übertragung aufklärt.
Das macht mich wiederum sehr glücklich zu sehen, dass es auch viele engagierte Malawier gibt, die aktiv etwas gegen die vorhandenen Probleme tun und versuchen ihre Lage zu verändern.

Am meisten Zeit verbringe ich aber dennoch mit den Mädchen in der Schule und auf dem Boardinggelände. Wie ihr aus meinem letzten Eintrag ja schon wisst, unterrichte ich vormittags Standard 7 a täglich zwei Stunden in Expressive Arts und Life skills. In Expressive haben wir grade gemeinsam Volkstänze getanzt, (also habe eigentlich ich eher etwas neues gelernt:D ) und Kostüme und Masken für den berühmten Gule wamkulu Tanz gebastelt. Gule Wamkulu ist der bekannteste Tanz der Chewas, des Stammes der hauptsächlich hier in der Central region Malawis verbreitet ist. Sie tragen Sackkleidung und gruselige Masken und bemalen sich die Haut, (davon hatte ich schon im letzten Bericht geschrieben, als ich ihnen das erste mal begegnet war;)) und tanzen meist an besonderen Feiertagen.
Mein Klassenraum der 7a
In den letzten Wochen wurde jeden Freitag Assesments, also Tests geschrieben und auch in meinen Fächern musste ich insgesamt 5 Tests vorbereiten und korrigieren. Jeder Test muss zu Anfang an die Tafel geschrieben werden und die Schüler müssen ihn dann in ihr Heft übertragen, um Drucker und Papierresourcen der Schule zu sparen. Das war anfangs ganz schön aufregend für mich, denn ich musste ja auch aufpassen, dass niemand schummelt, was in einer vollgefüllten Klasse ganz schön schwierig ist und gleichzeitig hoffen, dass meine Fragen nicht zu schwierig, aber auch nicht zu leicht sind.. Aber nach jedem neuen Test wurde es immer einfacher für mich. Und ich bin stolz, eine solche Verantwortung tragen zu können.


Der Life skills Unterricht macht mir auch super Spaß, denn wir behandeln Themen wie Konfliktlösung, HIV und Aids, sowie Genderequality und -inequality.
Letztens habe ich sogar einen kleinen Ausflug ins Krankenhaus organisiert, damit meine Schülerinnen dort für ein Life skills Thema das Personal befragen konnten.
In meiner Klasse sind, anders als vermutet, nicht 80, sondern 111 Mädchen,sodass wir den Trip auf zwei Tage aufteilen mussten, damit es nicht zu viele auf einmal waren, denn selbst für malawische Verhältnisse ist eine Klasse mit 111 schon sehr groß und eher selten.
Während in Deutschland erstmal Elternbriefe geschrieben, eine zweite begleitende Lehrkraft gesucht und wochenlang geplant hätte werden müssen, war diese Organisation innerhalb einer Stunde fix. Einmal kurz den Headteacher gefragt, dann zum Krankenhaus, das fünf Minuten entfernt liegt, dort kurz mit dem Direktor gesprochen und schwupp, war der Trip für den nächsten und übernächsten Tag fertig geplant. Achja und eine zweite Lehrkraft wird auch überschätzt, 55 Kinder sind ja verhältnismäßig wenig.. Also hatte ich dann die volle Verantwortung und erstaunlicher Weise, hat es auch super geklappt, die Mädchen waren richtig brav und still und sind sogar in zweier Reihen gegangen. Ich war ganz begeistert, denn sonst artet jede Art von Aktivität, ob Tanzen oder Sport meist in ein etwas größeres Chaos aus und ich versteh so langsam, warum manche Lehrer einen Stock benutzen um die Schüler in eine Ordnung zu bringen - sie schlagen sie nicht, keine Sorge, sondern stupsen sie damit nur zusammen und das wirkt wirklich Wunder:D. Ein wenig kommt man sich dann so vor wie mit einer Kuhherde.. Aber nein Spaß beiseite, ich mag die Mädchen wirklich sehr gerne und egal ob im Unterricht oder in der Freizeit, verbringe ich sehr gerne Zeit mit ihnen und merke, wie sehr sie mir und wie sehr ich ihnen auch schon ans Herz gewachsen bin.
Spaß mit den Boardingmädchen💗

Mein Nachmittagsprogramm hat sich jetzt auch schon soweit ausgeweitet, dass ich jeden Tag unter der Woche beschäftigt bin.
Montags und Donnerstags biete ich zusammen mit einer Kollegin den AIDS Total Club an, bei dem sich die Mädchen durch eigene kleine Theaterstücke, Cartoons und Songs noch einmal tiefer mit der Thematik AIDS und HIV auseinandersetzen können.
Dienstags gebe ich dann zusammen mit Uta ein paar der Mädchen Computerunterricht. Wir behandeln nur die Basic Themen wie Word und Excel, damit sie erst mal überhaupt ein Gefühl für den Computer bekommen. Somit werden meine eingeschränkten Computerfähigkeiten nicht
überstrapaziert. :D
Die AIDS-Club Girls
Und Freitags kann ich nun endlich meinen Drama Club anbieten, an dem ganz viele Mädchen mit großer Begeisterung teilnehmen. Was spontane, improvisierte Theaterstücke angeht, sind hier die meisten richtig begabt und es entstehen wirklich tolle Stücke. Schwieriger ist es dann, größere Projekte mit ihnen umzusetzen, aber auch das werde ich bestimmt noch schaffen:) Potenzial ist definitiv vorhanden!
Was in meinem Alltag auch nicht fehlen darf, ist die Musik, daher sind Uta und ich seit ein paar Wochen stolze Mitglieder des St. Joseph II Chores und versuchen jeden Mittwoch, (wenn denn auch die andere Chormitglieder anwesend sind, was öfters auch mal nicht der Fall ist), mitzusingen. Das erweist als schwieriger als gedacht, da wir die Texte auswendig auf Chichewa singen und dazu auch meist noch tanzen. Daher kommt es nicht selten vor, dass unser Singen eher einem Lallen gleicht und wir beim Tanzen etwas unbeholfen hin und her stolpern, aber so langsam werden wir immer besser. Wir hatten sogar schon unseren ersten „Auftritt“ in der Sonntagsmesse, bei dem ich die Ehre hatte, den Zucker zum Altar zu tanzen. (Ich hatte ja bereits erzählt, dass in manchen
Nach dem Auftriit in der Messe in
unserer Choruniform
Gottesdiensten Geschenke in Form von Essen und Alltagsgegenständen, als Dank für die Messe und den Priester nach vorne gebracht werden.) Glaubt man den Mädchen und meinen Chormitgliedern, habe ich das wirklich ganz toll gemacht:D Nunja ich weiß nicht so recht.. :Daber es hat jedenfalls super viel Spaß gemacht und durch den Chor haben wir nun auch noch mehr neue Kontakte.
Gehe ich jetzt auf den Markt werde ich an jeder zweiten Stelle von jemandem begrüßt oder mein Name wird gerufen. Wurde ich anfangs meist noch von den Kindern mit „Azungu“ (Weißer) angesprochen, so rufen die meisten jetzt „Annabelle“ oder „Madam“. Das freut mich sehr, denn ich merke, dass ich so langsam aber sicher als Individuum wahrgenommen werde und immer mehr dazugehöre.
Was aber noch sehr sehr viel Aufsehen erregt, ist wenn Uta und ich auf unserem neu erworbenen Fahrrad durch die Gegend fahren.. Zwar sieht man hier ab und zu auch Frauen oder Mädchen Fahrrad fahren, aber ist das doch eher die Seltenheit und dann auch noch zwei weiße Frauen... hui, das ist eine große Attraktion, für die alle Menschen kurz mal in ihrer Arbeit innehalten müssen, um genau zu begutachten, wie wir uns dabei anstellen. Man hat uns anfangs nämlich nicht geglaubt, dass wir auch wirklich, also ganz wirklich Fahrrad fahren können. „Bodza!“ (Lüge) „Wir strampeln schon seit Kindestagen an auf diesem Gefährt und können das!“ Und nachdem wir das jetzt mehrfach bewiesen haben, normalisiert sich die Reaktion der Menschen, die uns sehen auch etwas. Also ein bisschen wenigstens:D
Was uns nur etwas Schwierigkeiten bereitet, ist das gemeinsame Fahren, also das eine die andere hinten auf dem, dafür ausgelegten, Gepäckträger trägt. So langsam werden wir aber immer mehr geübt und am Ende des Jahres werden wir beide echte Kabassafahrer, (also Fahrradtaxifahrer, ihr erinnert euch:D) sein und können auch unsere Freunde transportieren oder alleine nach Mchinji zum Einkaufen.
Ihr merkt mein Leben hier wird für mich immer mehr zum Alltag und so manches aus Deutschland scheint mir schon jetzt wie aus einer anderen Welt. Ich fühle mich wirklich Zuhause hier, das geht sogar schon so weit, dass mir andere Weiße Menschen, die wir ab und zu in Lilongwe sehen, schon ganz seltsam und blass vorkommen und ich manchmal total vergesse, dass ich ja selbst so aussehe :D

Nun kommen wir aber zum Ende meines Eintrags.
Dankeschön, dass ihr euch die Mühe gemacht habt und bis zum Ende durchgehalten habt, der nächste Eintrag wird hoffentlich nicht wieder so lang… Ich wünsche euch schon mal eine schöne Adventszeit und lasse bald wieder von mir hören.

Bis zum nächsten mal, Tionana!






Mangotime💛

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