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Freitag, 4. Oktober 2019

Jeden Tag ein neues Abenteuer - von Ziegen, Hühnern und Guluwamkulu


Bo bo?- Alles klar?

Es ist wieder mal Zeit für einen neuen Blogeintrag also macht es euch gemütlich, denn mir ist seeehr viel eingefallen, was ich euch berichten möchte:D

Kaum zu glauben aber tatsächlich bin ich jetzt schon ein eineinhalb Monate hier in Malawi. Die Zeit verfliegt echt wie im Flug und jeden Tag erlebe ich irgendetwas neues Spannendes.
So langsam fühle ich mich wirklich hier in Ludzi zuhause und wenn ich draußen auf der Straße unterwegs bin, um zum Markt, zur Schule oder einfach auch nur spazieren zu gehen und überall freundlich begrüßt werde und vom Markt fröhliche Musik hinüberströmt, dann denke ich jedes mal: „Ach wie wundervoll, dass ich hier sein darf und diese Momente genießen kann. Malawi ist doch einfach wunderschön!“
So langsam kann ich auch erste kleine Gespräche auf Chichewa mit Leuten auf der Straße führen. Oft muss ich zwar noch raten, was sie gefragt haben und antworte dann auf gut Glück, wohin ich gehe oder was ich kaufen werde oder ich sage einfach immer nur „Ee, Ee, zikomo, zikomo“ und lächele dazu einfach.
Das klappt meistens ganz gut und ich lag richtig, aber manchmal ist es dann auch ganz falsch und ich werde herzlich und belustigt ausgelacht:D Dann verteidige ich mich oft mit den Worten „Ndikuphunzira Chichewa“ - Ich lerne Chichewa. Das führt dann meistens zu noch mehr Lachen und dann werden mir von allen umstehenden Menschen, die natürlich auch furchtbar witzig finden, dass ich mich so dumm anstelle und nicht richtig Chichewa verstehe, ganz viele neue Wörter beigebracht und die Hände lachend geschüttelt. :D

Auf dem Markt hier in Ludzi können wir schon so einiges kaufen, wie Tomaten, Zwiebeln und Kohl, was es immer gibt, und tagesabhängig auch Kartoffeln und Bananen. Trockene Bohnen, Reis und Erdnüsse sowie Ufa (Maismehl) wird auch täglich angeboten. In den kleinen Kiosks, von denen es auf dem Marketplace viele verschiedene gibt, kann man auch so manches anderes wie Kekse, Zucker, Magarine, Softdrinks oder die bei den Mädchen sehr beliebten würzigen Maissnacks kaufen. Aber auch Shampoo und Zahncreme findet man dort.
Außerdem werden auch fertige Snacks, wie die Mandasi (ein leckeres Hefegebäck) oder frische Chipisi, vergleichbar mit Pommes oder geröstete Maiskolben, angeboten.

Wenn wir aber noch aus gewähltere Sachen oder Gemüse einkaufen wollen, fahren wir nach Mchinji mit dem Kabassa, den Fahrradtaxis hier. Kabassafahren ist definitiv meine Lieblingsart zu reisen, wenn mir der frische, warme Fahrtwind ins Gesicht bläst und ich die wunderschöne Aussicht ganz entspannt genießen kann.

Schnappschuss aus dem Minibus: Ein typisches Bild von Mbusis
(Ziegen), die überall frei herumlaufen.
Der Markt ist von unserem Haus nicht weit entfernt (ich würde sagen, ich brauche ungefähr so lange, wie von meinem alten Zuhause zu Rewe, vielleicht einen Tick länger, für alle, denen das etwas sagt;)), also ca. 10 Minuten. Sollte also eigentlich eine schnelle Sache sein einkaufen zu gehen. Tatsächlich plane ich jedoch schon so eine bis dreiviertel Stunde ein, denn hier kommt man einfach nicht so schnell voran. Also der Weg dauert einfach länger, wenn man ständig stehen bleibt, um mit Leuten zu reden, sie zu begrüßen, nach ihrem Wohlbefinden zu fragen oder halt noch einen kleinen Plausch zu halten. Und auf dem Markt ist es ähnlich. Gerade weil ich ein „Azungu“, also eine Weiße, bin, ist es nochmal extremer glaube ich, aber ich finde es auch wirklich sehr schön, so viel Kontakt zu den Menschen hier zu haben.

Eilig sollte und muss man es hier einfach nicht haben, denn irgendwie klappt es doch immer alles rechtzeitig und das Zeitverständnis ist hier ja häufig auch nochmal ein wenig anders als bei uns, wie ich in meinem letzten Beitrag ja schon beschrieben habe.

Dieses Apothekenschild habe ich in Lilongwe entdeckt und es musste einfach fotografiert
werden, weil es so super übertragbar auf die meisten zeitlichen Verabredungen hier ist😉


Wobei ganz stimmt das auch nicht, denn in der Schule war ich sogar schon mal zu spät und habe die morgendliche Assembly verpasst, die um 7:15 laut Plan stattfindet. Meistens jedoch etwas später.. Als ich dann um ca. 7:10 an meinem zweiten Tag ankam, da ich am Tag davor fast eine halbe Stunde alleine gewartet habe, meinte eine Lehrerin, dass die Assembly schon war und ich ja ziemlich spät dran wäre..
Nun ja jetzt sitze ich halt jeden Morgen um Punkt sieben Uhr im Lehrerzimmer, falls es doch mal wieder früher losgehen sollte als gedacht. :D

Seit zwei Wochen hat die Schule nun auch richtig angefangen und somit bin ich jeden Morgen von montags bis freitags ab sieben Uhr dort.
Die Schülerinnen wischen und fegen dann erst einmal den Schulhof und ihre Klassenräume und dann startet ein jeder Schultag mit der Morning Assembly, an der alle Lehrer*innen und Schülerinnen teilnehmen müssen.
Sie besteht daraus, dass die Mädchen ein Gospellied singen, das Vater unser beten, ein paar Armklatschbewegungen machen und die malawische Nationalhymne gesungen wird.
Ich finde diesen Start in den Schultag richtig schön und irgendwie feierlich.
Alle Lehrer*innen sind auch immer richtig schick gekleidet, die Männer im Hemd und feinen Schuhen, Frauen in schicken Kleidern oder Blusen mit Rock und Ballerina.

Lehrer*innen haben hier auch nochmal eine andere Stellung als in Deutschland. Die Schülerinnen knien sich meist vor den/die Lehrer*in, wenn sie eine Frage haben, putzen das Lehrerzimmer, ziehen ihre Schuhe aber vor dem Betreten dieses Raumes aus und bringen ihren Lehrerinnen und Lehrern auch mal auf Wunsch eine Flasche Wasser oder tragen deren Tasche.
Daran musste ich mich erst einmal gewöhnen und ich fühle mich immer noch etwas schlecht, wenn ich nur daneben stehe, während die Schülerinnen wischen, aber das gehört hier eben einfach zur Kultur, dass die Jüngeren die Älteren wertschätzen und respektieren und das auch durch ihre Körperhaltung zum Ausdruck bringen.
Wenn ich mit älteren Frauen oder Männern spreche, beuge ich mich jetzt auch meistens hinunter, um Respekt auszudrücken. Eigentlich doch eine ganz schöne Geste, denn das Alter hat der Jugend ja auch einfach etwas voraus.

Nach der Assembly beginnt dann um halb acht der Unterricht.
Je nach Altersstufe geht er bis mittags (um 12:25 Uhr endet er, allerdings nur für die ganz Kleinen), oder nachmittags 16:00 Uhr (nur für Standard 8). Eine Stunde dauert 35 Minuten, aber davon werden dann vier Stück hintereinandergeschaltet, bis es dann eine jeweils viertelstündige Pause gibt.
Ich unterrichte momentan Standard 7 in Life Skills und Expressive Arts.
In Lifeskills behandle ich grade das Thema AIDS und HIV und in Expressive Arts sind gerade Musiknoten dran.
Zusammen mit einer neuen Kollegin😊
In beiden Fächern richte ich mich nach dem malawischen Teachers Guide, der relative genau angibt, wie ich die Stunden aufzubauen habe und wo ich auch nochmal Erklärungen und Hintergrundinformationen zu den Themen finden kann.
Durch diese Vorbereitung lerne ich selbst auch nochmal voll viel Neues und Interessantes. Bald muss ich zum Beispiel ein Musikinstrument mit den Mädchen basteln oder ihnen malawische Tänze beibringen. Die Tänze werden wohl eher sie mir beibringen, aber naja... ich freue mich schon drauf:D

Nachdem ich anfänglich etwas ins kalte Wasser geworfen wurde, was das Unterrichten alleine in einer ganz neuen Klasse mit ca. 80 Kindern betraf, komme ich jetzt schon ganz gut klar und habe wirklich Spaß am Unterrichten.
Auch wenn ich leider nicht allen Kindern so richtig gerecht werden kann, denn viele sprechen kaum oder gar nicht Englisch, obwohl sie das schon seit der ersten Klasse lernen, und können so dem Unterricht nicht wirklich folgen. Deshalb lasse ich dann vereinzelt andere Kinder auf Chichewa übersetzen, was ich erklärt habe, aber das geht natürlich auch nicht immer..
Trotzdem glaube ich schon, dass es wirklich sinnvoll ist, das ich in diesem Projekt arbeiten kann, da es hier einen sehr starken Lehrermangel gibt und nicht selten Klassen stundenlang ganz ohne Lehrer arbeiten müssen. Deshalb ja auch die riesigen Klassen...
Ich bin zwar nicht richtig ausgebildet, aber mit Hilfe des Teacher Guides wird in jedem Fall sichergestellt, dass die Schülerinnen auch das lernen, was sie lernen sollen. Außerdem unterrichte ich auch nur 2-4 Stunden täglich, sodass mir viel Vorbereitungszeit für die Stunden bleibt und ich auch meine Kollegen*innen beim Korrigieren oder Vorbereiten unterstützen kann.
Das basiert aber auf Eigeninitiative und anfangs saß ich lange auch nur herum und hatte keine richtigen Aufgaben, aber jetzt gehe ich, wenn ich fertig bin mit meiner Arbeit, einfach selbst zu Kollegen*innen hin und frage, ob ich Ihnen noch helfen kann.


Wenn ich nachmittags nicht mehr in der Schule bin, dann gehe ich super gerne nach draußen, zum Markt oder spazieren.
Ich genieße es oft alleine herumzuwandern und dabei nette, neue Menschen kennenzulernen und mein Chichewa zu verbessern, aber oft gehe ich auch zusammen mit meiner Mitfreiwilligen Uta ein wenig spazieren, das fühlt sich dann doch nochmal sicherer an, gerade wenn wir weitere Strecken gehen.
Auf einer unserer Ausflüge haben wir zum Beispiel einen netten Mann getroffen, der uns sein Dorf gezeigt hat. Seine Frau mit den Kinder und seine Tiere - Ziegen (mbuzi) und Hühner (nkhuku) - haben wir auch kennengelernt.

Auf dem Weg in sein Dorf haben wir aber auch eine ziemlich gruselige Begegnung gemacht und auch wenn ich im Nachhinein darüber lachen kann, hatte ich in dem Moment doch schon ziemliche Angst!
In einem anderen Dorf, nah an unserem Weg, tanzten gerade Mitglieder eines Chewa-Stammes einen traditionellen Tanz, den Guluwamkulu. Sie waren alle von Kopf bis Fuß mit schwarzen Strumpf oder Leder Häuten überzogen und hatten Auge und Münder mit gruseligen Fratzen geschmückt und trugen Helme oder andere Kopfbedeckungen. Außerdem waren viele von ihnen mit Schwertern, Äxten oder Steinschleudern bewaffnet. Plötzlich kamen die Chewas laut schreiend auf uns zugerannt und tanzten vor uns, wild Äxte und Steinschleudern wedelnd, herum.
Em ja, ich hatte ziemlichen Schiss in dieser Situation und wäre unser neuer einheimischer Freund nicht neben uns gewesen, dann wäre ich vermutlich schreiend weggerannt, hätte zwar auch nicht so viel gebracht, aber naja.. Ich hätte jedenfalls wirklich große Panik bekommen und nicht gewusst was ich machen soll.
Unser Freund erklärte uns dann aber, dass wir uns keine Sorgen zu machen brauchen und diese Chewas uns nur zum Spaß einen Schrecken einjagen wollten. Auch die Dorfkinder oder andere Bewohner erschrecken sie ganz gerne mal, nur dass die dieses Spiel schon gewohnt sind und kennen.
Sie sind auch eigentlich nur ganz normale Dorfbewohner eines Chewa Stammes, die sich an bestimmten Festtagen, in unserer Situation war es der Schulanfang, verkleiden und wild im Dorf herumlaufen, um die Leute zu erschrecken und diese nach Geld zu fragen.
So ein bisschen wie Kinder an Halloween, die Leute erschrecken und um Süßigkeiten betteln, nur eben nicht um Geld.
Die Mädchen zeigen Lena und mir, wie wir
Wasser auf unseren Köpfen transportieren können 💧
Als wir einzelnen von Ihnen dann später nochmal begegneten, musste ich dann auch schmunzeln, wenn die kleinen Kinder schreiend und lachend vor ihnen ins sichere Haus flüchteten.

Solche spontanen, ungeplanten und wunderbare Begegnungen sind es, die mir immer wieder vor Augen führen, wie froh und dankbar ich doch sein kann hier zu sein und das alles erleben zu dürfen.
Meistens habe ich tagsüber gar nicht viel zu tun, aber es passiert dann doch immer etwas Schönes und Besonderes.
Abends tanzen wir oft noch mit den Mädchen und singen oder spielen lustige Gruppenspiele. Ich habe schon richtig coole, neue, malawische Musik auf meinem Handy, die die Mädchen mir gezeigt haben, und ein paar neue Dancemoves habe ich auch schon von ihnen gelernt:D







Es gibt übrigens auch eine kleine Veränderung in unserm Haus in Ludzi und in den Projekten.
Bis vor kurzem waren wir hier noch zu dritt: Lena im Krankenhaus und Uta und ich in der Schule. Da die Projektpartnerin einer anderen Freiwilligen, die in Madisi (auch in Malawi) in einem Projekt ist, aus gesundheitlichen Gründen nicht wie geplant im Oktober aus Deutschland ausreisen kann und auch noch nicht klar ist, wann und ob sie das überhaupt dieses Jahr noch tun wird, sollte einer von uns dreien das Projekt nach Madisi wechseln.
Nach einigen Überlegungen hat sich Lena dann dazu entschieden, zu Xenia nach Madisi zu wechseln und dort ins Krankenhaus zu gehen.
Wie ich bis jetzt von ihr gehört habe, gefällt es ihr da auch sehr gut, aber natürlich vermissen wir sie trotzdem! Wir drei hatten uns gerade ganz gut als Team eingespielt.
Aber auch zu zweit kommen Uta und ich super zurecht und verstehen uns echt gut.
Sie arbeitet jetzt, statt Lena, im Krankenhaus und ich bin alleine in der Schule, sodass jeder sein eigenes Projekt hat. So haben wir getrennte Arbeitsplätze, aber nach der Arbeit auch immer viel Zeit, uns auf deutsch über alles mögliche auszutauschen und das tut echt gut:D

Ein paar neue Freunde habe ich auch schon kennengelernt.
Mit einem Freund, der in der Schulbibliothek arbeitet, und dessen Freunden spiele ich zusammen mit Uta ab und zu Volleyball.
Manchmal nimmt er uns auch auf Spaziergänge mit und zeigt uns die umliegenden Dörfer und bald wollen wir auch mal gemeinsam joggen gehen und Gitarre spielen.
Selfie mit unserem neuen Freund im leerstehenden Krankenhaus..😄

Bei einer neuen Lehrerfreundin von mir bin ich auch schon einmal zum Nsimakochen eingeladen worden - (den malawischen Maisbrei) - und ein anderes mal war sie bei uns zum Waffelbacken:D

Die war echt sooo lecker mmmh...😋

Jetzt ist es schon wieder so lange geworden, aber eine Sache wollte ich noch mit euch teilen:

Sonntags besuchen wir natürlich immer die Messe. Wir nehmen immer die frühe Messe um 6:30, weil die verhältnismäßig kurz ist (ein bis höchstens zwei Stunden) und weil diese Messe auch die Boarding Mädchen besuchen. Manchmal gehen wir auch samstags oder während der Woche.
Aber Sonntags ist es immer am schönsten, denn da wird ganz viel gesungen und es ist irgendwie am festlichsten. Jede Messe ist hier auf Chichewa, das heißt, dass wir natürlich nicht so wirklich viel verstehen, aber dank der einheitlichen katholischen Struktur können wir doch ganz gut folgen.

Letzten Sonntag war ein ganz besondere Gottesdienst, denn die Schulmädchen haben im Chor Gospellieder auf Chichewa gesungen. Begleitet wurden sie dabei von Trommeln und kleinen Mädchen in weißen Kleidern, die dazu getanzt haben. Wir durften auch mitsingen und es hat richtig Spaß gemacht!
Dann wurde dem Priester ganz viele Geschenke übergeben, von Lebensmitteln wie Zucker und Keksen über Seife, Waschmittel, Plastikeimer und anderen Haushaltskram, Wein und Softdrinks war alles dabei. Ich glaube das hat den Hintergrund, dass die Priester hier kaum bezahlt werden, sondern dann in den verschiedenen Gemeinden von den Mitgliedern häufig beschenkt werden.

Aber mir ist auch aufgefallen, dass viele Malawier sowieso sehr großzügig sind, was Geschenke angeht. Selbst dann, wenn sie selber nicht viel haben.
So habe ich zum Beispiel von meiner Lehrerfreundin zwei Avocados geschenkt bekommen, als ich zu Besuch war und von einem anderen Freund eine riesige Tüte Erbsen. Auch unsere Haushaltshilfe hat uns letztens einfach so eine große Tüte geröstete Erdnüsse geschenkt, obwohl sie nun wirklich nicht so viel Geld hat. Richtig schön diese Gesten! Ich habe den Eindruck, dass Geben und Teilen hier nochmal viel selbstverständlicher ist. Das möchte ich mir auch in jedem Fall beibehalten.

Zurück zum Gottesdienst: Er war einfach richtig toll und wir haben alle viel getanzt, gesungen und Gott gepriesen mit Händen, Herzen und Füßen.
Sonntage sind hier einfach noch besonderer für mich geworden und ich liebe es, das dann auch zusätzlich zur Messe mit speziell leckerem Essen wie Pfannkuchen oder dem obligatorischen Sonntagskeks zu zelebrieren. :D

So jetzt aber erst einmal genug für heute. Ich hoffe, ihr habt ein paar neue Eindrücke von meinem Leben hier in Malawi gewinnen können und freut euch schon auf den nächsten Eintrag, der sicherlich bald folgen wird:D

Tionana und bis ganz bald💚




Sonntag, 1. September 2019

Ba Be Bi Bo Bu - Wir lernen Chichewa



Ba Be Bi Bo Bu- Wir lernen Chichewa


Muli bwanji? - Wie geht es dir?

Also mir geht’s supi - Ndili bwino!- und ich sende ganz viele Grüße nach Deutschland oder wo auch immer du grade bist, aus Ludzi in Malawi!

Über zwei Wochen ist es jetzt schon her, dass ich Deutschland verlassen und mich aus Gettorf zusammen mit 5 Mitfreiwilligen auf den Weg über Frankfurt, Paris und Nairobi nach Malawi gemacht habe. 39 Stunden war ich von meinem alten zuhause in der Feldstraße zu meinem neuen Zuhause in Ludzi unterwegs. Mit Bahn, Flugzeug und Minibus – eine ganz schöne Strapaze. 
Ich habe mich noch sie so sehr über ein kuscheliges Bett und eine kalte Flasche Wasser gefreut, wobei über eine kalte Flasche Wasser würde ich mich jetzt grade auch sehr sehr freuen, aber dazu später mehr.

Am Flughafen in Lilongwe wurden wir von ganz vielen netten Schwestern, aus Ludzi, Guilme und Madisi und Nambuma – den vier Projektorten in Empfang genommen. Und dann ging es auch, erst mal für uns alle sechs (Lena, Uta, Xenia, Franzi, Erik und mich) zusammen, mit dem Minibus nach Ludzi, wo unser zweiwöchiges Einführungsseminar stattfinden sollte.
Ein erster kleiner Schock für uns „sicherheitsliebende Deutsche“: Es gab keine Anschnallgurte und wir fuhren ja auch noch auf der falschen Straßenseite. Oh Gott oh Gott… aber wie ihr seht, ich habs überlebt und ich kann glücklicherweise sagen, wir sind immer noch zu sechst- bis jetzt.. :D

Bevor wir Ludzi jedoch erreichten, schoben wir noch einige Zwischenstationen ein, denn wenn man mal schon in Lilongwe ist, kann man ja auch direkt einkaufen gehen und wenn da so schöne Wassermelonen und Orangen am Straßenrand stehen, dann kann man nicht einfach dran 
vorbeifahren. ;)
Obwohl ich nach zwei Nächten mit jeweils 3 Stunden Schlaf todmüde war, konnte ich die Fahrt über kein Auge zu tun, viel zu spannend war der Ausblick aus meinem Fenster. Egal wo wir lang fuhren oder wohin ich guckte, überall gab es etwas ganz neues für mich zu entdecken: Frauen, die mühelos große Körbe mit Bananen oder Karotten auf ihren Köpfen balancierten, ganz viele Fahrradfahrer die am Rand der Straße fuhren und jedes mal, wenn wir mal wieder ganz knapp an einem von ihnen vorbeidüsten, wunderte ich mich, dass wir ihn nicht aus-versehen anfuhren oder er das Gleichgewicht verlor.
Oft waren sie mit riesigen Säcken oder auch lebendigen Frachten, wie Hühnern und Schweinen beladen. Später sah ich auch noch einige Fahrer, die ganze Betten hinten auf ihrem Gepäckträger bugsierten. 
Und da soll nochmal jemand sagen, man könne einen Großeinkauf nur mit dem Auto machen..
Endlich in Ludzi, war dann nur noch ganz schnell schlafen angesagt.


Unser Haus in Ludzi auf dem Boarding Gelände
Der nächste Morgen war der Einstieg unseres zweiwöchigen Einführungsseminars.
In Deutschland hatte man uns gesagt, es sei noch nicht ganz klar, ob das Seminar eine oder zwei Wochen dauern würde, das wäre jedes mal anders und genau das merkten wir dann auch schon direkt, denn selbst die Schwestern schienen anfangs nicht wirklich sicher zu sein, wie lange es gehen sollte:D 
Das war aber auch nicht so wichtig. Hauptsache wir waren erst mal alle zusammen in Malawi!

Genaue Zeitangaben schien es hier auch nicht so zu geben, was wir sehr schnell bemerkten, als wir um halb neun immer noch auf die Schwestern warteten, die uns eigentlich schon um acht Uhr abholen wollten.. Als wir uns dann selbst auf den Weg zum Konvent machten, waren die noch seelenruhig beim Frühstück. Auch gut, dann gab es für uns eben noch Reisporridge, sehr lecker!

Auch auf unserem ersten Ausflug nach Mchinji, von Ludzi aus die nächstliegende Stadt, bemerkten wir, wie unterschiedlich unsere Zeitgefühle waren, als es hieß, wir werden „kurz“ zur Bank gehen und neue Handy Simkarten kaufen. Nach etwa 11/2 Stunden in der National Bank zwei weiteren Stunden im Airtel Teleshop waren wir zwar alle super fertig, aber glücklich endlich wieder erreichbar zu sein.
Nachdem wir etliche Male viel zu früh zu unseren Programmpunkten erschienen, gewöhnten wir uns ganz schnell an, einfach direkt 15-30 Minuten später loszugehen. 
Meistens klappte das auch ganz gut, nur manchmal kann 9:00 Uhr halt auch halb neun heißen, das wird dann etwas kritisch, wenn man z.b mitten im Wäsche waschen oder duschen ist.. aber das ist dann meist auch nicht so schlimm.
Oft hieß es einfach: „See you after Lunch!“, und auf unsere Nachfrage, wann das denn genau sei, wurde einfch nur gelacht: „Come when you have eaten!“. Dann blieben wir etwas ratlos zurück, denn „After Lunch“ war wirklich sehr dehnbar. Franzi, eine Mitfreiwillige sollte von ihren Projektpartnern am Freitag „After Lunch“ abgeholt werden. Um 17:00 Uhr saß sie immer noch bei uns.. 
Sicher kann man nur sein: „After Lunch“ bedeutet „before dinner“ :D
Pünktlichkeit ist dennoch bei einigen Terminen gefragt. Bei der Arbeit, z.B. in der Schule ist man sogar vor der zeit da, das gleiche gilt auch für die Kirche.

Irgendwann schienen die Schwestern dann doch etwas Verständnis mit unserem genauen Planungswillen zu haben und wir bekamen einen Timetable. Ach da freute sich unser deutsches Planungsherz, aber leider nicht lange… Denn jetzt wussten wir zwar ungefähr, was am Tag so auf uns zu kam, aber die Programmpunkte boten sehr viel Interpretationsfreiraum und auch die Zeitangaben verschoben sich wie gewohnt.

Ein typischer Tag sah so aus: 6:00 Uhr Messe (freiwillig), danach Frühstück, 8:00 Uhr Chichewa Unterricht und 9:00 Malawien Culturre. Anschließend wurde gekocht.
Ja wir haben durchaus um halb 11 mit dem Kochen angefangen, denn eh wir erstmal das Feuer am Kochgrill anbekommen hatten, dauerte es schon ziemlich lange. Und die drei verschiedenen Teile einer Mahlzeit wollten auch geschnippelt und zubereitet werden. In Malawi setzt sich jede Mahlzeit, außer dem Frühstück, aus drei verschiedenen Bestandteilen zusammen, wie wir gelernt haben: Nsima (also Kohlenhydrate, wie Maisbrei (Nsima), Reis oder Kartoffeln), Vegetables (also Gemüse, häufig Tomaten, Karotten, grüne Paprika, Zwiebeln oder Kohl, je grüner desto gesünder!)
und Meat (darunter zählen neben Hühnchen und Fisch auch Bohnen und Eier, sehr praktisch:D)

Jeden Tag wurden wir gefragt: „What will you eat today?“ Nach anfänglicher Planlosigkeit,in diesem Fall, wussten wir nach einigen Tagen schnell, was wir häufig antworten konnten: Mpunga ndi Njemba ndi mbesu. - Reis mit Bohnen und Gemüse. Ich glaube ich spreche für uns alle, wenn ich behaupte, das dass unser neues „Go to“ Essen ist. Besonders die Bohnen haben es uns angetan und mit Fingern ist es sich nochmal besser. Nsima mit Bohnen ist daher auch nicht zu verachten. Hauptsache Bohnen:D und das gute, es zählt ja auch als Meat. Hehe!
Ein ganz großer Favorit, ist aber auch der gute alte Weißkohl, Kabichi. 
Die Schwestern waren glaube ich sehr erstaunt, wie sich sechs Jugendliche so sehr über einen Weißkohl freuen können.
Er ist halt einfach heftig lecker:D Besonders wenn Margret ihn zubereitet, unsere Haushaltshilfe, die uns während der Woche beim putzen hilft und auch mal für uns kocht. Oh sie kocht so toll, auch wenn ihre Tomatensauce nicht ganz so in Öl schwimmen müsste, für meinen Geschmack, aber viel hilft viel ist hier das Motto:D

Reis mit Bohnen und Kabichi 😍
Nsima mit Erbsen und Kabichi😋






Ich habe das Gefühl, dass Essen hier wirklich einen hohen Stellenwert hat, denn du isst, um gesund zu sein und deinem Körper, deinem Leben etwas gutes zu tun. „To protect your body“
Auch die Kleidung dient dazu den Körper zu schützen, wurde uns erzählt. Frauen sollten Schulter und Knie bedecken und keine durchschimmernde Kleidung tragen, um das innere zu schützen. Es ist mein Körper und nur ich habe das Recht ihn in Gänze zu sehen. Aus dieser Perspektive habe ich das noch gar nicht gesehen, für mich schien es eher eine Unterdrückungsmaßnahme. Kleidung und Essen als Schutzmaßnahme für den eigenen Körpers und , ihm etwas gutes zu tun, gefällt mir sehr. Die Frauen und Mädchen, die ich bereits kennengelernt habe, wirkten auf mich auch keinesfalls unterdrückt, sondern sehr stark. Eine der Achtklässlerinnen möchte zum Beispiel Präsidentin werden um einiges hier in Malawi zu ändern.
Trotzdem habe ich mich schon sehr frei gefühlt, als ich beim Baskettballspielen, endlich mal wieder eine Hose in der Öffentlichkeit tragen konnte und nicht im Rock Sport machen musste.
Auch wenn Röcke bei der Wärme durchaus viele Vorteile aufweisen.

So jetzt bin ich etwas abgeschweift, all diese Dinge und noch ganz viel mehr haben wir übrigens im Malawien culture Unterricht bei einer der Schwestern gelernt.
Nachmittags konnten wir dann manchmal Sport treiben, den wir uns selbstständig aussuchen und gestalten konnten. Wir haben oft Yoga gemacht oder auch Baskettball. SportHOSE und gemischte Teams beim Basketttball waren auch erluabt. Wir haben zusammen mit einem jungen Priesteranwärter und dem netten Schul-Libary-Mitarbeiter gespielt, mit denen sich Erik gut verstanden hatte.

Weit aus häufiger stand jedoch „Practical coocking, cleaning und washing“ auf dem Programm, das jeden Tag neue Überraschungen bot. Mal kochten wir zusammen mit den Schwestern und lernten, wie wir den Feuer - Grill zum Kochen anbekamen, (geraspeltes Wachs wirkt wahre Wunder, Plastiktüten leider auch…) wie man den Nsima richtig rührt, (denn nur mit dem speziellen Nsima Stick geht das wirklich richtig ;) und das kein Essen ohne Tomaten und eine ordentliche Portion Öl auskommt. ;)
Ein anderes mal wurde Kuchen gebacken, denn Xenia hatte Geburtstag. Elektrische Handrührgeräte werden definitiv unterschätzt, (dasselbe gilt übrigens für Klospülungen, wie wir beim nicht untypischen Wasserausfall, zu spüren bekamen.).
Meine Armmuskeln sind hundertprozentig schon um das dreifache gewachsen, von dem ganzen Nsima Gerühre, Feuer anfächeln und Eier schaumig schlagen. Ich war ganz schön stolz als ich die Eier mit einem Rührgerät zum Kurbeln für meine Verhältnisse sehr schnell rührte.
Jedenfalls bis der Koch der Klosterküche mir die Arbeit ab nahm und die Eier im zehnfachen Tempo herumwirbelte. Tja da muss ich wohl doch noch etwas üben…
Mit der Hand zu waschen bietet übrigens auch ein sehr gutes Training, wen man z.b. seinen dicken Wollpulli auswringen muss, der auf einmal Tonnenschwer zu sein scheint..
Achja und was ich definitiv mehr wertschätzen sollte, wenn ich wieder in Deutschland bin, ist unser schönes kaltes leckeres Leitungswasser. Langsam habe ich mich zwar schon an warmes abgekochtes Wasser mit Proteinen, in Form von Ameisen, und einer ordentlichen Portion Kalk gewöhnt, aber das ist halt schon nicht so das wahre:D

Gemütlicher Stromausfall😊
Jetzt muss ich aber nochmal ein paar Worte zum Chichewa Unterricht verlieren, damit ihr auch wisst, woher dieser Eintrag seinen Namen bekommen hat.
Für alle die es noch nicht wussten, Chichewa ist hier, neben Englisch, die Landessprache und da besonders alte Menschen und kleinere Kinder kein Englisch können, ist es auch echt wichtig, diese zu lernen!
Unterricht hatten wir jeden Tag bei einem Lehrer der Primary school. Was wir gelernt haben, lässt sich ganz kurz zusammenfassen: Ba, be, bi, bo, bu… Okay Spaß bei Seite, anhand eines Buches für das erste Schuljahr, haben wir einige Vokabeln gelernt, das war auch wirklich sehr hilfreich, aber besonderen Wert hat unser Lehrer auf das Silben bilden gelegt und auf die Aussprache der Vokale. Dabei ist diese, bis auf einige Ausnahmen, quasi identisch zu der deutschen Aussprache.. Wir fühlten uns ein wenig in die erste Klasse zurück versetzt, wenn wir zum zehnten mal „La le li lo lu“ im Chor aufsagten, aber es war auch ganz lustig:D Der Preis für den motiviertesetn Lehrer geht in jedem Fall an ihn und diese Motivation hat unsere leichte Unterforderung gut wettgemacht: „Aus ba- und la- wird Bala! Toll oder?“

Soo, ich könnte jetzt noch so viel mehr erzählen, aber es ist jetzt schon so lang geworden, dass ich euch nicht überfluten möchte:D
Einige wichtige Infos aber trotzdem noch zum Schluss:

Unser Einführungssemniar ist nun zu ende.
Am Freitag haben wir uns von Erik und Franzi veraschiedet, die nach Guilme und Nambuma in die Projekte gehen und Montag wird auch Xenia uns verlassen, sodass wir dann nur noch zu dritt sein werden.
Morgen werde ich auch schon das erste mal in meinem Projekt in der Schule sein und erst mal den Unterricht der Achtklässlerinnen observieren, die hier grade schon Vorbereitungswochen auf ihre im nächsten Jahr anstehenden Examen haben. Am 16. September geht es dann richtig los und ich werde auch alleine eine Klasse unterrichten können. Ich freue mich schon sehr, dass es jetzt endlich richtig losgeht!
Die Achtklässlerinnen, die ich schon kennengelernt habe, sind auch echt super lieb, gestern haben wir abends zusammen mit ihnen gegessen, gespielt und zu „Makarena“ getanzt.
Um acht Uhr wird dann immer gebetet und gesungen und jedes Mädchen umarmt mich, um mir „God Night“ zu wünschen. Richtig süß!
Ich frag mich nur, wie das werden soll, wenn hier dann sieben mal so viele Kinder sind.. Jetzt sind es schon so um die achtzig..
Aber das werdet ihr dann im nächsten Beitrag erfahren:)

Macht es gut und Tionana!

 









Donnerstag, 1. August 2019

Der Countdown läuft

Der Countdown läuft:
In genau zwei Wochen sitze ich im Flieger nach Lilongwe und habe mich für ein Jahr von Deutschland verabschiedet, um ein Jahr in Ludzi in Malawi zu verbringen. Ich kann es immer noch nicht so richtig glauben. Langsam beginnen zwar die ersten Abschiede, der 15. August rückt von Tag zu Tag näher, aber so richtig real erscheint mir das Ganze noch immer nicht.

Am Samstag vor einer Woche fand das Aussendungsfest mit meiner MaZ - Gruppe in Salzkotten von den Franziskanerinnen statt. Es war der Höhepunkt unseres letzten Seminars und Abschluss einer intensiven, wichtigen und wunderbaren Vorbereitungszeit. Bei diesem schönen Fest waren für mich vor allem die Gesprächen mit ehemaligen Freiwilligen besonders wertvoll, weil sie uns noch letzte praktische Tipps für unsere Zeit im Einsatz mitgeben konnten und wir sie mit Fragen löchern durften. Gaaanz viel leckeren Kuchen gab es auch und den ersten schweren Abschied von meiner MaZler Gruppe. Das sind diejenigen, die so wie ich als ,,Missionare auf Zeit” nach Malawi, Indien, Indonesien, Ost Timor oder Rumänien gehen. Über die Vorbereitungszeit hatten wir uns als Gruppe echt sehr liebgewonnen.

Unser Abschied

Meine MaZ-Gruppe bei unserem Aussendungsgottesdienst in Salzkotte

An einem für mich sehr wichtigen Thema aus meinem Abschlussseminar möchte ich euch teilnehmen lassen. Und zwar setzten wir uns intensiv mit dem Sinn und Unsinn von Freiwilligendiensten auseinander.

(Un -)Sinn von Freiwilligendiensten

Kritik 1:
- Ein Freiwilligendienst kostet sehr viele Ressourcen, die sinnvoller eingesetzt werden können.
- Freiwillige haben keine Kompetenzen zum Helfen.
- Sie verbrauchen Entwicklungszusammenarbeitsgelder.
- Das Reden von „Begegnung auf Augenhöhe“ ist Quatsch.

Warum ist es dennoch sinnvoll?

Wir als Freiwillige sind besonders nach dem Einsatzjahr Botschafter, können unsere gewonnenen Eindrücke mit anderen Menschen teilen und andere zum Perspektivenwechsel anregen, da wir ein Jahr lang versuchen werden nicht mit der "deutschen,westlichen Brille" auf die Welt zu schauen, sondern einen kleinen Einblick in die malawische Sichtweise, bzw. die Sichtweise unseres Gastlandes, bekommen. Dadurch können wir von einer anderen Perspektive auf die Welt blicken und somit eine "second story" erzählen.
https://youtu.be/D9Ihs241zeg-> ein ganz tolles Video zu diesem Thema!

Außerdem können wir nach unserer Rückkehr neue Ressourcen in Deutschland anwerben, denn die meisten rückgekehrten Freiwilligen setzen sich auch weiterhin aktiv für ihre Einsatzländer,
die MaZ-Arbeit und andere soziale Projekte und Initiativen der Entwicklungszusammenarbeit ein.

Es stimmt natürlich,
dass wir als Freiwillige keine ausgebildeten Lehrer oder Ärzte sind und somit nur kleinere Aufgaben übernehmen können, die nur bedingt helfen. Auch die Partnerorganisationen vor Ort haben erst einmal viel Arbeit mit uns, da wir ja zunächst eingeführt werden müssen und Vieles anfangs nicht verstehen oder falsch machen werden. Dennoch bringen wir Zeit und Aufmerksamkeit mit, die die Lehrer oder anderes Personal oft nicht genug haben, denn wir sind ja zusätzlich da und nehmen keine Arbeitsplätze weg. Nach einiger Zeit kann das schon eine Entlastung für die Menschen vor Ort sein. Es ist außerdem eine tolle Chance für alle, etwas von der anderen Kultur zu lernen.
Wichtig ist dabei aber, dass wir uns bei der Begegnung bewusst sind, Gäste in diesem Land zu sein, und dankbar, demütig und wertschätzend mit den Menschen umzugehen. Dann ist eine Begegnung auf Augenhöhe auch möglich!
Der Verzicht auf diese wertvollen Begegnungen ist auch keine Lösung der Probleme!


Kritik 2:
Freiwilligendienste bringen eigentlich nur Schaden für die Projekte:
- durch den permanenten Wechsel von Bezugspersonen
- finanzielle Abhängigkeit

Warum ist es dennoch sinnvoll?



Die Abwechslung der Bezugspersonen kann schwierig sein, doch auch hier in Deutschland sind Wechsel von Lehr- oder Erziehungskräften, Babysittern oder Aupairs normal und nicht zu vermeiden. Zudem bleiben die Freiwilligen ein ganzes Schuljahr, wechseln also nicht schon nach wenigen Wochen, sondern in einem geregelten Rhythmus.
Außerdem bringen neue Freiwillige Abwechslung, neue, individuelle Methoden und haben unterschiedliche Qualifikationen und Eigenschaften, die sie einbringen können. Die Kinder lernen dadurch, sich auf neue Personen einzustellen und flexibel zu sein. Das ist auch sinnvoll für das weitere Leben. Wichtig ist nur, keine zu enge Verbindung zu Einzelnen aufzubauen, denn dann kann der Abschied schon sehr hart und schwer werden.

Wird ein Projekt von anderen finanziert, schafft das natürlich immer in gewisser Weise eine finanzielle Abhängigkeit. Ohne die Entwicklungszusammenarbeitsgelder könnte sich die Schule in Ludzi sicherlich nicht halten. Sie ist auf das Geld angewiesen. Aber die Gelder schaffen auch große Sicherheit und Perspektiven für diese Projekte. Bildung ist der wichtigste Schlüssel, um sich aus dem Teufelskreis der Armut zu befreien und unabhängig zu werden. Somit wird das Geld sinnvoll investiert. Trotzdem haben diese Förderungen immer Vor- und Nachteile. Aber gar keine Förderung ist auch nicht die Alternative!



Kritik 3:
Vorherrschende Stereotype werden durch die Freiwilligen doch nur bestätigt. Außerdem geht es den Freiwilligen nur darum, ein Abenteuer zu erleben, ihren Lebenslauf aufzubessern und „sich selbst zu finden“:
- Das Bild der/des Deutschen / der/des Weißen als „Übergeordnete*r“ im Land (er/sie „hilft“ den „armen Kindern in Afrika“) wird verstärkt.



Warum ist es dennoch sinnvoll?



Hier kommt es wirklich ganz besonders darauf an, wie die eigene Motivation aussieht, warum man einen Freiwilligendienst machen möchte, und welche Vorbereitung der/die Freiwillige bekommen hat. Ich würde behaupten, dass viele, die einen Freiwilligendienst in einem Land des globalen Südens1 machen möchten, sich keine bzw. wenig Gedanken darüber machen, was dieser Dienst bedeutet oder was für Auswirkungen er in dem betreffenden Land hat. Mir war das vor ein paar Monaten auch noch nicht ganz klar. Es ging mir zwar nicht um meinen Lebenslauf oder darum, ein Abenteuer zu erleben. Aber auch ich wollte helfen und das nicht hier in Deutschland, wo es genauso Kinder gibt, die Hilfe benötigen. Ich wollte lieber nach Malawi. Mir war klar, ich werde nicht die ganze Welt verändern. Aber ich dachte schon, ich würde richtig nützlich sein und den Menschen dort helfen können.
Ein bisschen stimmt das ja auch, aber eigentlich geht es hauptsächlich um etwas anderes, was ich beim ersten Punkt schon beschrieben habe: Um den Perspektivenwechsel und den gegenseitigen Austausch auf Augenhöhe.

Mit 5 Seminaren und durch tolle Teamer, die alle ehemalige Freiwillige sind, wurde ich wirklich sehr gut auf diesen Dienst vorbereitet. Wir wurden für Rassismuskritik, rassistischen Sprachgebrauch und die postkoloniale Theorie sensibilisiert. Dadurch können wir nun hoffentlich der für uns neuen und anderen Kultur sowie den Menschen dort offener und wertschätzender begegnen und nicht mit einer „weißen Überheblichkeit“, die meint, alles besser zu wissen.

Mein Weltbild und meine Einstellung zu einem Freiwilligendienst haben sich durch die Vorbereitung schon jetzt so sehr verändert, und in dem Jahr werden sich diese auch sicherlich noch weiter wandeln. Man kann also während des Freiwilligendienstes zu „sich selbst finden“, und das ist auch gut so. Den die bisherigen Einstellungen zu überdenken und sich eine eigenständige Meinung zu bilden, ist wichtig, um sich nach dem Jahr für die „Eine Welt“ einzusetzen und andere zum Umdenken und Nachdenken anregen zu können. Das ist nämlich unsere Hauptaufgabe: Andere Perspektiven, Sichtweisen kennenlernen und davon weitererzählen. Deshalb haben wir auch die Aufgabe von „Weltwärts“, 4 Zwischenberichte zu schreiben, damit wir unsere Erfahrungen mit anderen teilen können. Auch zu diesem Thema wurden wir während unserer Vorbereitung für den richtigen Sprachgebrauch und die Folgen unseres Berichtes sensibilisiert. Wir müssen uns fragen: Was für vorgefertigte Stereotypen und Vorurteile haben unsere Leser und wir selbst im Kopf, und wie schaffe ich es, diese mithilfe meiner Berichte, nicht zu bestätigen, sondern auszuräumen und von etwas anderem, neuem zu berichten? Vielleicht, indem ich Einheimische zu Wort kommen lasse und somit ihrer Sicht auf die Dinge ein Sprachrohr verschaffe. Denn das ist unsere Aufgabe: Botschafter sein für unsere „Eine Welt“!


Soo! Ich hoffe, ihr habt nun einen kleinen Einblick in meine Gedanken und meine Vorbereitungen für meinen Freiwilligendienst in Malawi bekommen. Vielleicht konnte ich auch euch ein wenig zum Nachdenken anregen.
Jetzt genieße ich noch die letzten zwei Wochen zuhause, treffe mich die letzten Male mit meinen Freunden und mit meiner Familie, räume mein Zimmer aus, weil meine Mutter in diesem Jahr umzieht, packe meine Sachen für Malawi, besorge noch die letzten Dinge, esse ganz viel Eis, weil ich das in Malawi wahrscheinlich nicht kann. Und ich wache jeden Morgen mit einem Kribbeln im Bauch, aber auch mit einer riesigen Vorfreude auf das vor mir liegende Jahr auf.
Macht es gut und ihr hört von mir aus Malawi!

Tionana!









1 Als Länder des globalen Südens werden die Länder bezeichnet, die im Weltvergleich eine benachteiligte wirtschaftliche, politische und gesellschaftliche Stellung haben. Dieser Begriff löst immer mehr den durch die westlichen Industriestaaten, also die Länder des globalen Nordens, geprägten Begriff „Entwicklungsländer“ ab. Denn die Bezeichnung „Entwicklungsland“ wertet den Status eines Landes nur aufgrund seiner Unterentwicklung der Wirtschaft im Vergleich zu den Industrienationen stark ab. 

Zurück nach Malawi – Meine Zeit und Gedankenreise  2 Jahre, 8 Monate und 29 Tage. 2 Jahre, 8 Monate und 29 Tage sind vergangen, seit ich Mal...